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Hernández, der weggesperrte Indigene

Von Alexander U. Mathé

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Hernández kämpft für Rechte der Indigenen. Foto: youtube

Ein indigener Menschenrechtsaktivist wurde in Mexiko fälschlicherweise des Mordes beschuldigt und saß deshalb zwei Jahre in Haft. Jetzt hat ihn ein Gericht freigesprochen.


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Zwei Zeugen haben Raúl Hernández Abundio beschuldigt, einen Mord begangen zu haben. Deshalb saß der indigene Menschenrechtsaktivist in Mexiko zwei Jahre lang im Gefängnis. Vor zwei Wochen hat ihn ein Gericht im Bundesstaat Guerrero freigesprochen, doch sein Leidensweg ist damit nicht zu Ende.

Die Geschichte der Ereignisse bis zum heutigen Tag liest sich wie ein Hollywood-Thriller. Raúl Hernández ist seit 1998 Mitglied der Organisation des Indigenen Volkes Mephaa (Organización del Pueblo Indigena Mephaa, Opim). Als solches setzt er sich vehement für die Rechte seines Volkes ein und prangert Missstände an, wo sie ihm auffallen.

Er forderte Gerechtigkeit für die Ermordung von elf Indigenen im Bundesstaat Guerrero. Dann wieder gab er der Landesrätin für Gesundheit die Schuld an der Sterilisierung von 14 Indigenen. Im Jahr 2003 prangerte er die Vergewaltigung von zwei Mädchen durch Angehörige des Militärs an.

Dann kam das Jahr 2008. Ein Informant des Militärs wurde umgebracht und Raúl Hernández gemeinsam mit vier weiteren Mitglieder der Opim bei einer Straßenkontrolle verhaftet. Zwei Zeugen hatten angegeben, ihn zweifelsfrei identifiziert zu haben, als er gemeinsam mit ein paar Männern das Opfer aus einer Kirche gezerrt habe.

Das war im April 2008. Ein Jahr später wurden die vier anderen freigelassen, doch Hernández blieb aufgrund der Zeugenaussagen in Haft, auch wenn er stets seine Unschuld beteuerte. Menschenrechtsorganisationen wurden auf den Fall aufmerksam und brachten Widersprüchlichkeiten ans Licht, bis sich schließlich ein Gericht genauer mit dem Fall befasste.

Dabei stellten sich die Zeugenaussagen als falsch heraus. Nicht nur, dass die Angaben bei erneuter Einvernahme einander widersprachen, auch die Fakten entlasteten Hernández. So hatte ein Zeuge angegeben, das Geschehen vor der Kirche von seinem zehn Meter entfernten Haus aus genau beobachtet zu haben. Als sich der Richter vor Ort ein Bild machte, kam er allerdings drauf, dass das Haus satte 200 Meter entfernt war und eine zweifelsfreie Identifizierung gar nicht möglich gewesen wäre.

Am 27. August wurde Raúl Hernández aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Er freue sich bereits auf seine Frau, seine Tochter und sein Maisfeld, sagte er bei seiner Entlassung. Doch für die Indigenen in Guerrero ist Hernández zum Symbol des Kampfes gegen Ungerechtigkeiten geworden. Diesen Kampf hat er bereits angekündigt, fortführen zu wollen. Manch einem kommt diese Ansage jedoch nicht zupass. Frisch in Freiheit hat er mehrere Morddrohungen erhalten. Menschenrechtsorganisationen fürchten, dass er schon bald zum zweiten Mal Opfer in einem Mordfall werden könnte - diesmal mit einem für ihn tödlichen Ausgang.