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Japaner bleiben gerne Japaner. Dürfen aber in der EU etwa Polen das Recht haben, Polen zu bleiben?
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Wenn Politiker das Wort "Gerechtigkeit" in den Mund nehmen, ist man als Wähler meist gut beraten, seine Brieftasche festzuhalten und das Gehirn auf Skepsis-Modus zu schalten. Zumindest Zweiteres gilt auch für Jean-Claude Junckers jüngsten Plan, die nach Europa einströmenden Migranten aus Gründen der "Gerechtigkeit" mehr oder weniger gleichmäßig zu verteilen. Das wird so gut funktionieren wie jede planwirtschaftliche Lösung, also gar nicht. Denn wie die Praxis zeigt, wollen die meisten Migranten in ganz bestimmte Staaten wie Schweden, Deutschland und Österreich und wehren sich geradezu physisch dagegen, in von ihnen als weniger attraktiv angesehene Länder verbracht zu werden.
Herr Junckers planwirtschaftliches Modell kann daher nur funktionieren, wenn es mit polizeilicher Gewalt durchgesetzt wird, vergitterte Transporte und abgeriegelte Lager im Osten der EU inklusive. Was wiederum willkommenskulturell eher suboptimal wäre und daher so hoffentlich doch nicht stattfinden wird (marktwirtschaftlich wäre das Problem eventuell zu lösen: indem die Sozialleistungen umgekehrt proportional zur Anzahl der Migranten gestaltet werden, die an einen bestimmten Ort wollen; sie wären also anfangs extrem hoch in Ostungarn und extrem niedrig in Bayern und würden dann laufend adjustiert, bis ein Gleichgewicht einträte).
Der Plan wirft freilich eine noch interessantere Frage auf, um deren Beantwortung sich die EU derzeit völlig drückt. Nämlich, ob in der Union die einzelnen Nationen auch weiterhin das Recht haben sollen, über ihre ethnische Zusammensetzung selbst zu entscheiden - wie das derzeit weitgehend der Fall ist - oder nicht. Denn eine vermeintlich gerechte Aufteilung der Migranten bedeutet logisch zwingend, dass alle EU-Staaten ethnisch durchmischter werden, als das derzeit der Fall ist. Manche, wie die Deutschen oder die Schweden, scheinen das derzeit zu begrüßen, andere, wie etwa die Polen, eher nicht. So wie ja auch die Japaner gerne Japaner bleiben wollen und deshalb Migration und Asyl extrem restriktiv handhaben, während etwa Amerikaner das deutlich entspannter sehen. Die Geschmäcker sind eben auch dahingehend höchst unterschiedlich.
Junckers Plan ignoriert das weitgehend, auch in dieser Hinsicht ganz charakteristisch für planwirtschaftliche Unterfangen.
Das könnte gravierende Konsequenzen haben. Denn entschlösse sich die EU tatsächlich irgendwann, Migranten auch gegen den Willen einzelner Mitgliedstaaten "gerecht" auch auf jene Länder zu verteilen, die das gar nicht wollen, handelten sie letztlich wie Österreich oder Deutschland, die ja auch Migranten zunehmend ohne allzu große Rücksichtnahme auf lokale Befindlichkeiten innerhalb ihrer Staatsgrenzen verteilen. Geschähe dies auch innerhalb der EU so, wäre allerdings das Recht der Nationen, über ihre ethnische Zusammensetzung souverän zu entscheiden, auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt.
Man kann eine solche Vorgangsweise angesichts der schieren Dimension der aktuellen Völkerwanderung natürlich für notwendig erachten. Es hätte bloß einen erheblichen Preis: Das endgültige Auseinanderbrechen der Union würde durch derartige paneuropäische Zwangsmaßnahmen zweifellos näher rücken.

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