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Heuer traurige Weihnachten in Bethlehem

Von Mosche Meisels

Politik

Tel Aviv - Noch nie hat es in Bethlehem so gedämpfte Weihnachten gegeben wie diesmal. Vor Weihnachten sieht die Geburtstadt Jesu verlassen und traurig aus. Sie wurde diesmal angesichts der neuen palästinensischen Intifada und des häufigen Beschusses der Stadt und ihrer Umgebung kaum geschmückt und illuminiert. Die Geschäfte, Souvenirläden und Restaurants und die Zimmer in den 21 Hotels sind fast leer.


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Infolge der geringen Zahl von Touristen und Pilgern sowie der traurigen Situation beschloss die Stadtverwaltung von Bethlehem, diesmal keine Weihnachtsfeierlichkeiten abzuhalten. Die festlichen Aktivitäten werden sich somit auf den traditionellen kirchlichen Rahmen beschränken. Die Prozession des Lateinischen Patriarchen Michel Sabbah von Jerusalem nach Bethlehem mit dem feierlichen Einzug auf den Krippenplatz vor der Geburtsbasilika wird wie gewohnt stattfinden, während der Mitternachtsmette werden aber nicht wie in anderen Jahren Chöre aus aller Welt auf dem Krippenplatz singen. Es wird auch kein festliches Glockengeläute geben und nur wenige illuminierte Christbäume in den Straßen der Stadt. Die Prozession des Lateinischen Patriarchen wird nur von einer kleinen Gruppe christlicher Pfadfinder begleitet werden.

Der Bürgermeister von Bethlehem wandte sich mit dem Ansuchen an den israelischen Tourismusminister Amnon Lipkin-Shahak, die Abriegelung der Stadt während der Weihnachtszeit aufzuheben. Der Minister erklärte sich dazu bereit. Es gibt jedoch nur wenig Touristenbusse, die von dieser Aufhebung Gebrauch machen.

Die christlichen Bewohner Bethlehems sind aufgebracht. Sie beschuldigen Israel, mit Panzern und Raketen die Stadt beschossen zu haben. Sie beschuldigen Palästinenserpräsident Yasser Arafat als Chef der Autonomiebehörde, nicht genügend zu unternehmen, um der Kampftätigkeit und dem Beschuss der Stadt Einhalt zu gebieten. Sie sehen sich als Opfer eines Krieges, den sie nicht verursacht haben, und mit dem sie nichts zu tun haben. Sie erklärten, dass Weihnachten diesmal keine Zeit für Freude und Feierlichkeiten, sondern eher für Trauer um die vielen in den Kämpfen Gefallenen sei.

Die Tourismus-Verantwortlichen Bethlehems weisen darauf hin, dass Weihnachten zum Höhepunkt des Millenniumsjahres nach dem Papstbesuch hätte werden sollen. Der Touristenstrom ist jedoch angesichts der jüngsten Unruhen fast versiegt. Die Abriegelung und der Tiefflug der Touristik haben die Wirtschaft der Stadt schwer getroffen.

Trotzdem sandten kirchliche Würdenträger eine Delegation nach Gaza, um Arafat wie alljährlich zu den Weihnachtsfeiern nach Bethlehem einzuladen. Nachdem er in den letzten fünf Jahren solchen Einladungen immer gefolgt war, erklärte er der Delegation, dass er diesmal infolge der angespannten Lage Bethlehem fern bleiben müsse.

"Wir befinden uns quasi zwischen Hammer und Amboss", erklären die christlichen Bewohner der Stadt. "Die israelischen Soldaten beschießen unsere Häuser, und die moslemische Bevölkerung beschuldigt uns, dass wir sie nicht in ihrem Kampf gegen die Israelis nicht voll unterstützen."

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat die Abriegelung der Stadt durch die israelischen Behörden verurteilt und erklärt, man müsse den Befreiungskampf der Palästinenser unterstützen. Die Lösung des Konflikts müsse jedoch eine gerechte sein, sowohl für die Palästinenser wie auch für Israel.