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Hilfe für Madoff-Geprellte

Von WZ-Korrespondent Georg Ackermann

Wirtschaft

Spanische Bank bietet Umtausch in Vorzugsaktien an. | Entschädigung kostet 500 Millionen. | Barcelona. Die spanische Großbank Banco Santander bietet ihren durch den Madoff-Betrugsfall geschädigten Privatkunden als erstes Institut eine Entschädigung an. Anleger der in Genf ansässigen Hedge-Fonds-Tochter Optimal Investments waren den Madoff-Fonds mit 2,3 Mrd. Euro ausgesetzt. Sie können aufatmen. Denn Santander bietet ihnen an, ihre Anteile in neu auszugebende Vorzugsaktien (mit einem jährlichen Kupon von 2 Prozent) einzutauschen. Santander entstehen damit Kosten von 500 Mio. Euro.


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Nur für Privatkunden

Die Bank machte allerdings deutlich klar, dass sie nur Privatkunden entschädigen werde. Denn den institutionellen Investoren sei das Risiko der Madoff-Fonds bekannt gewesen. Ein Großteil der Privatanleger stammt aus Lateinamerika, wo die Bank ein Drittel ihres Gewinns erwirtschaftet. Grund für die jetzige Initiative: Neben dem enormen Imageschaden befürchtete man auch eine zunehmende Anzahl von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Investoren aus Chile und Argentinien hatten zu Wochenbeginn in Florida eine Sammelklage gegen Santander, die Depotbank HSBC und den Bilanzprüfer PwC eingereicht. Bereits am vergangenen Montag deutete jedoch der Ablauf einer außertourlichen Aktionärsversammlung auf einen Wechsel in der Position des Kreditinstituts hin.

Santander gehört neben dem kleinen Wiener Geldhaus Bank Medici, das jedoch ausschließlich institutionelle Investoren betreut, zu den bisher am schwersten getroffenen Opfern des größten Betrugsfall der Finanzgeschichte. Wie berichtet, hat der Wall-Street-Banker Bernard Madoff mit einem Schneeball-System eigenen Angaben zufolge einen Schaden von rund 50 Mrd. Dollar angerichtet. Gegen Kaution steht er derzeit unter Hausarrest.

Ruf der Bank beschädigt

Im abgelaufenen Jahr hat Santander, Spaniens größte Bank, nach vorläufigen Zahlen den Netto-Gewinn um 9,4 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro gesteigert. Von der Subprime-Krise blieb das Institut nahezu unberührt. Für 2008 will das Geldhaus eine Dividende von 0,651 Euro je Aktie zahlen.

Endgültige Geschäftszahlen sollen am 5. Februar vorgelegt werden. Santander-Präsident Emilio Botín: "Es sind großartige Zahlen, mit die besten im weltweiten Vergleich."

Analysten betonten, dass sich die rein finanziellen Auswirkungen aus dem Madoff-Skandal für Santander zwar in Grenzen hielten, der Ruf der Bank aber stark beschädigt worden sei.