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Himmelsgucker sind unter uns

Von Sabine Ertl

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Die Macht des Mondes? Eine Frage des Spürsinns, meinen viele. Sehen können ihn ja alle, als Sichelmond oder zwölfmal im Jahr als pralle Schönheit. Nun reicht bei all jenen, deren Sensoren für kosmische Einflüsse noch nicht ganz verkümmert sind, die Anziehungskraft des (Voll-)Mondes weit in den Alltag hinein, von geschäftigem Treiben, Lust oder -losigkeit und gesteigerter Unruhe ist die Rede. Ganz besonders kribbelig wird die Mond-Mensch-Beziehung in den Nächten der himmlischen Schattenspiele, sprich: der Mondfinsternis. Eine totale gab es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Aus diesem Anlass zeigte ORF 2 in "Universum" die BBC-Dokumentation "Die Macht des Mondes".

Es gab große Bilder vom Mond in seinem leuchtenden Glanz, als Steuermann des Lebenszyklus, als Herr der Gezeiten: Ob als Auslöser für myriadenfache Fortpflanzung im Tierreich oder verantwortlich für die Springfluten im Amazonas und am Fluss Qiantang in China. "Bei Vollmond sind Mensch und Natur eins", sagt man dort. Und doch dürften die Zeiten vorbei sein, als man sich noch vor Werwölfen und Dämonen fürchtete. Auch kommen die dunklen Seiten des Menschen immer häufiger zu Tage, nicht nur in Vollmondnächten. Trotz des grandiosen TV-Seherlebnisses war die Himmelsmechanik gar nicht gnädig, nur zaghaft zeigte sich unser astronomischer Begleiter von seiner kupferrot schimmernden Seite. Das eigentliche Schauspiel waren die Wolken. Emsige Himmelsgucker dürften aber gar nicht traurig sein, denn schon am 8. Juni gibt es das nächste kosmische Großereignis: einen Venustransit, der zuletzt 1882 gesehen wurde.