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Hitze und Starkregen im Sommer

Wissen
© stock adobe / juppi1310

Der Nordatlantik ist so warm wie nie zuvor. Mitteleuropa könnte das zu spüren bekommen.


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Der Sommer in Mitteleuropa könnte dieses Jahr sehr heiß und von starken Regenfällen heimgesucht werden. Das prognostizieren Wissenschafter auf Grundlage von Temperaturdaten aus dem Nordatlantik. Dieser ist mit 23 Grad Celsius Oberflächentemperatur so warm wie noch nie um diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen vor 40 Jahren. Die Meeresregion ist Mitte Juni sogar um rund ein Grad wärmer als im Schnitt des Vergleichszeitraums 1982 bis 2011. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Schon seit März geht die Tendenz im Großteil der Ozeane nach oben. So liegt die Temperatur der Meeresoberfläche vom Äquator bis zur Höhe der Südspitze Grönlands aktuell um rund 0,5 Gras über dem bisherigen Rekord. Als Grundlage für die Berechnung dienen Daten der US-Klimabehörde NOAA.

"Die Weltmeere haben 90 Prozent der Wärme aufgenommen, die durch die menschengemachten Treibhausgase entstehen", nennt Mojib Latif vom deutschen Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel den Hauptgrund dieser Entwicklung. Dadurch seien sie in bis zu 2000 Meter Tiefe, in wenigen Gebieten auch noch tiefer, deutlich wärmer geworden.

Anomalie der Luftströme

Seit April hat sich vor allem der subtropische Bereich des Nordatlantiks stark erwärmt. Ein anhaltendes Tiefdruckgebiet habe dazu geführt, dass mehr warme Luft von Südwesten und weniger kalte Luft von Nordosten in den subtropischen Nordatlantik strömte, so Helge Gößling, Klimaphysiker am deutschen Alfred-Wegener-Institut. Zudem hätten sich die Windströmungen in der Region abgeschwächt, was die Oberflächentemperatur ebenfalls erhöhe. Zugleich gibt es im Moment laut Latif auch im Norden des Nordatlantiks eine Anomalie der Luftströmungen, die zur Erwärmung beitrage.

"Generell unterliegen die Luftströmungen über den Weltmeeren großen Zufallsschwankungen, die sich aber auf die Erderwärmung draufsetzen und dann zu besonders hohen Temperaturen führen können", sagt Gößling.

Ein Grund könnte laut Experten auch das El-Nino-Phänomen sein. So wird die Phase genannt, in der sich die Meeresströmungen im Pazifik ändern. Dadurch wird die Temperatur im Wasser weltweit höher. Dieses Phänomen tritt etwa alle vier Jahre auf - so auch heuer. Dem widerspricht wiederum Latif. Dass das zusammenfällt, sei ein Zufall, betonte er gegenüber dem "Spiegel". Er hält es für unwahrscheinlich, dass die Erwärmung im Pazifik schon zu Beginn des Phänomens einen Temperatur-Peak im Nordatlantik ausgelöst haben könnte, hält er für unwahrscheinlich.

Einfluss könnte allerdings haben, dass der Sahara-Staub dieses Jahr nicht besonders reisefreudig ist. Für gewöhnlich trägt der Passatwind den Staub über den Nordatlantik. Dort legt er sich wie ein Schatten über den Ozean, wodurch viel weniger Sonnenenergie ins Wasser durchdringt und der Ozean kühler bleibt. Einen kleinen Anteil an der Erwärmung könnte das haben, betont Latif. "Aber dieser wäre eher auf den östlichen Atlantik beschränkt", so der Experte.

Bis in den August hinein

Die insgesamt warmen Wassertemperaturen im Nordatlantik könnten tendenziell zu einem heißeren Sommer in Mitteleuropa bis hinein in den August führen, prognostizieren die Forscher. Schon jetzt sind etwa die Küsten vor Frankreich um 5,5 Grad Celsius wärmer als der Durchschnittswert. Warme Luft nehme zudem mehr Wasser auf, das West- und Südwinde nach Europa tragen könnten. Starkregenfälle sind daher zu erwarten.(gral)