Hoch soll er leben

Von Momcilo Nikolic

Politik
Während Eid, das höchste islamische Opferfest, von Muslimen weltweit zelebriert wird, hält man sich bei Mohammeds Geburtstag mit Feierlichkeiten zurück.
© Corbis/Ahmed

Muslime streiten darüber, ob sie den Geburtstag feiern sollen oder nicht.


Wien. Der Prophet hat Geburtstag. Am Sonntag, dem 12. Jänner, vor 1444 Jahren wurde Mohammed Ibn Abd Allah Ibn Abd al-Muttalib Ibn Haschim Ibn Abd Manaf al-Quraschi geboren. Landläufig bekannt als Prophet Mohammed. Unwissende würden diesen Tag vermutlich das muslimische Weihnachen nennen: mit viel Geschenken, Essen und Tamtam. Nicht so die Muslime.

Sie feiern diesen Tag im Kreis ihrer Familie und lesen Stellen aus dem Koran vor. Amer Albayati, Sprecher der Initiative Liberaler Muslime Österreichs (ILMÖ), empfindet es als richtig, diese Feier im privaten Raum zu zelebrieren. "Die ILMÖ feiert nicht öffentlich. Jeder sollte diesem Tag persönlich und auf seine eigene Art und Weise gedenken", sagt Albayati.

Auch die Muslimische Jugend (MJÖ) verzichtet auf Feierlichkeiten, da es sich nicht um einen offiziellen Feiertag handelt. "Wir finden es sehr gut, dass darüber berichtet wird und somit auch auf die Vielfalt in Wien aufmerksam gemacht wird, aber wir planen da nichts. Vereinzelte Organisationen und Moscheen sind da sicher die besseren Ansprechpartner", sagt MJÖ-Sprecherin Asma Aiad.

Der Geburtstag Mohammeds ändert sich von Jahr zu Jahr, weil jener nach dem islamischen Kalender gefeiert wird. Diese Zeitrechnung beginnt mit der Auswanderung Mohammeds aus Mekka (622 n. Chr.), richtet sich nach den Mondphasen und hat "nur" 354 Tage im Jahr. Die Religionsbehörde in der Türkei hat den Geburtstag Mohammeds nach der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1926 allerdings auf den 20. April 570 n. Chr. festgelegt. Seither wird in der Türkei die Geburt des Propheten im April eine Woche lang zelebriert. Dies hat dazu geführt, dass sich viele Muslime weltweit dieser Entscheidung angeschlossen haben.

Unter Muslimen ist es teilweise strittig, ob man den Geburtstag des Propheten überhaupt feiern soll. Wahabiten und strenge Sunniten lehnen die Feier ab. Mohammed soll einerseits seinen Geburtstag gar nicht gefeiert haben. Andererseits heißt es, er habe ihn gefeiert, aber nicht als Fest, sondern mittels Fasten. Gegner argumentieren weiters, dass in der "reinen Schari’ah", der islamischen Rechtslehre, nirgendwo eine Quelle über das Geburtstagsfest zu finden ist. Sie bezeichnen es als Erneuerung (Bid’a) und lehnen sie unter anderem aufgrund folgender Überlieferung ab: "Wer etwas in unsere Angelegenheiten einführt, das nicht dazugehört, dessen Handlung soll zurückgewiesen werden." Es steht der Vorwurf im Raum, dass die Geburtstagsfeier eine Nachahmung des christlichen Weihnachtsfestes sei.

Geburtstage nehmen in der islamischen Welt eine untergeordnete Stellung ein. Dennoch ist es mittlerweile nicht unüblich, bei Festen aus dem Koran zu rezitieren oder Gesänge auf den Propheten zu veranstalten. Für diejenigen, die diesen Tag feiern, geht es nicht mehr um die Geburtsumstände Mohammeds, sondern eher darum, sich das Leben des Propheten als Vorbild in Erinnerung zu rufen.

Keine Kultur des Geburtstagfeierns

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde Birol Kilic erklärt, warum seine Vereinigung am 12. Jänner kein Fest veranstaltet. "Es wird keine Feier geben, weil es nicht im Koran steht. Wir respektieren es, wenn jemand feiert, aber es herrscht im Islam keine Kultur der Geburtstagsfeier, was den Propheten betrifft. Zwar gibt es diese Einigung mit der Türkei seit zehn oder fünfzehn Jahren, aber vorher hat man die Geburt über 1400 Jahre nicht gefeiert", sagt Bilic.

Anders sieht es Yakub Gecgel von der Islamischen Föderation. Es wird in den der Föderation nahestehenden Moscheen im 3., 10., 11., 15., 20. und 23. Bezirk sehr wohl Gedenkfeiern inklusive Verköstigung geben. "Wir wissen, dass es auch eine andere Meinung dazu gibt", sagte Gecgel, "Aber wir feiern den Propheten als Vorbild. Es geht uns Muslime um das Beisammensein."

Ein Lichterfest für Mohammed

In Wien gibt es trotz verschiedener Interpretationen diverse Möglichkeiten den Geburtstag Mohammeds gemeinsam mit anderen Muslimen zu feiern. Neben den erwähnten Moscheen wird auch die Union Islamischer Kulturzentren in Österreich, im 9. Bezirk, nach dem Nachtgebet ab 18 Uhr sein Programm starten und das "Mevlid Kandili" - das Lichterfest zum Geburtstag - vollführen. Gläubige werden Gedichte rezitieren und Lobgesänge halten, zu denen alle Muslime willkommen sind.

Die Türkisch-Islamische Union in Österreich (Atib) wird am 12. Jänner in ihrem Kulturzentrum in Favoriten nach dem Abendgebet ebenfalls eine kleine Feier abhalten, verweist aber ebenfalls darauf, dass das eigentliche "große Fest" erst, wie in der Türkei, im April stattfinden wird. Atib im dritten Bezirk dagegen lädt bereits am Tag davor zu Speis und Trank ein und schließt sich ebenfalls mit einer Mevlid Kandil-Feier am Sonntag an.

Mohammed wurde in Mekka, im heutigen Saudi-Arabien, geboren. Quellen nennen den Zeitpunkt der Geburt als das "Jahr des Elefanten", das zwischen 547 und 552 n. Chr. bestimmt wird.

Der Historiker und Genealoge Ibn al-Kalbi hat allerdings zu Anfang des neunten Jahrhunderts behauptet, Mohammed sei im 42. Jahr nach dem Herrschaftsantritt des Sassaniden-Herrschers Chosrau I. Anuschirwan geboren worden. Dies wäre dann eigentlich auf das Jahr 573 n. Chr. gefallen.

Bis zu seinem Tod im Alter von 59 Jahren war es Mohammed gelungen, den islamischen Glauben auf der Arabischen Halbinsel festzusetzen, von wo sich die Religion rasch über die ganze Welt ausbreitete. Gläubige orientieren sich bis zum heutigen Tag an seiner Lebensweise, verehren ihn aber als Propheten und nicht als göttliche Gestalt.