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Hochsaison für Banken-Hochzeiten

Von WZ-Korrespondent Vittoria Scarpa

Wirtschaft

Banca dItalia rät Geldhäusern zu | Fusionitis unter den italienischen Volksbanken. | Rom. Unter italienischen Banken herrscht Hochzeitsstimmung. Gerade erst haben zwei der größten Banken Norditaliens ihren Zusammenschluss angekündigt, die Banche Popolare Uniti (BPU) in Bergamo und die Banca Lombarda in Brescia. Die neue "Super-Volksbank" wird nach der Marktkapitalisierung die Nummer sechs sein, nach dem Filialnetz sogar die Nummer vier.


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Bereits im Oktober hatten zwei andere norditalienische Volksbanken ihre Hochzeit angekündigt. Der Zusammenschluss der Banca Popolare Italiana (BPI) und der Banca Popolare di Verona e Novara (BPVN) schafft die größte Volksbank - eine Stellung, die bis dahin die BPU inne gehabt hatte - und die drittgrößte Bank Italiens. Damit wird die Liste der größten Banken Italiens nun vollständig von Kredithäusern angeführt, die erst in den vergangenen Jahren durch Fusionen entstanden sind.

Mit Fusionen zur Spitze

An der Spitze steht die Mailänder Großbank UniCredit. Sie war bereits Ende der 1990er Jahre aus einer Reihe norditalienischer Sparkassen entstanden. Anschließend expandierte sie im Ausland. Im vergangenen Jahr übernahm sie in der bisher größten grenzüberschreitenden Bankenfusion Europas die Münchener HypoVereinsbank und deren österreichische Tochter Bank Austria Creditanstalt. Die UniCredit setzte sich damit auch zuhause an die Spitze. Anfang 2007 fusionieren auch die Nummer zwei mit der Nummer drei, die Intesa mit Sanpaolo. Auch die Nummer fünf, die Capitalia in Rom, ist vor sechs Jahren aus einer Fusion hervorgegangen. Die traditionell führenden Banken kommen dagegen immer mehr ins Hintertreffen. Dazu zählt die Mailänder Volksbank ebenso wie die Monte dei Paschi di Siena, mit Gründungsjahr 1472 die wahrscheinlich älteste noch bestehende Bank der Welt.

Notenbank macht Druck

Die Hochsaison für Bankenhochzeiten wird andauern. Denn der neue Chef der Banca d´Italia, Mario Draghi, drängt auf Zusammenschlüsse. Nur so könnten die einheimischen Banken sich gegen eine Übernahme durch ausländische Konkurrenten schützen. Er hat dabei vor allem die immer noch zersplitterte Landschaft der Volksbanken im Blick.

Bisher sind gerade die beiden modernsten und effizientesten Volksbanken, die BPVN und die BPU, seiner Aufforderung nachgekommen. Sie haben sich auf den Weg in den freien Wettbewerb gemacht, ohne ihre genossenschaftlichen Wurzeln aufzugeben. Bald dürften ihnen auch die kleineren Volksbanken folgen, wenn sie nicht selbst übernommen werden wollen.

Draghis Vorgänger Antonio Fazio versuchte noch, heimische Banken mit taktischen Winkelzügen gegen Übernahmen durch ausländische Häuser zu schützen. Seine Tricks wurden ihm schließlich zum Verhängnis. Der auf Lebenszeit ernannte Zentralbank-Chef musste den Sessel räumen. Nun setzt der Finanzplatz Italien auf eine wettbewerbskonforme Abwehr der Konkurrenz von außen.

Die BPU und die Banca Lombarda standen bei ihrem Zusammenschluss allerdings vor einem Problem: Die BPU, die als größere der beiden Partner die Banca Lombarda integriert, ist eine Genossenschaftsbank. Die Aktionäre haben daher unabhängig von der Anzahl ihrer Aktien nur eine Stimme. Die Banca Lombarda dagegen ist eine klassische Geschäftsbank. Das Stimmrecht der Aktionäre richtet sich nach der Zahl ihrer Aktien. Beim Umtausch ihrer Papiere in BPU-Anteilsscheine verlieren die meisten von ihnen also Stimmrechte. Um sie für diesen Verlust zu entschädigen, erhielten sie einen leichten Aufschlag für ihre Anteile.

Umbruch geht weiter

Zentralbank-Chef Draghi will solche Probleme künftig vermeiden. Er hat die Volksbanken aufgefordert, das System der eingeschränkten Stimmrechte zu reformieren. Sie sollten sich dabei soweit wie möglich den Aktiengesellschaften anpassen, mit denen sie im Markt konkurrieren. Andernfalls werde die EU-Kommission in Brüssel eine Änderung erzwingen, warnt Draghi. Diese könnte in der Stimmrechtsbeschränkung eine Wettbewerbsverzerrung sehen, die EU-Recht widerspricht. Der Umbruch in Italiens Bankenbranche wird also weitergehen.