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Das Krankenhaus Nord soll knapp eine Milliarde Euro kosten. Im teuersten Fall, sagt der Krankenanstaltenverbund. Woher das Geld kommen soll, könne man hingegen nicht sagen.
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Wien. Zuversichtlich zeigte man sich in Floridsdorf bei der Baustellenbesichtigung im zukünftigen Krankenhaus Nord. Dabei sorgte das künftige Großspital des städtischen Krankenanstaltenverbundes (KAV) von Anfang an für heftige Diskussionen. Von Ungereimtheiten bei der Projektvergabe, von Fehlplanungen bei der Statik und von einer Kostenexplosion war die Rede.
Das Spital auf der Brünner Straße 68 ist eine der größten Baustellen Wiens. Ursprünglich sollte das Megaprojekt auf dem 111.000 Quadratmeter großen Areal (inklusive Park) - nach den Plänen des Architekten Albert Wimmer - 825 Millionen Euro kosten. Längst ist man bei 954 Millionen Euro. Am Mittwochvormittag hieß es nun, selbst diese Zahl müsse nach oben revidiert werden. Laut aktuellen Prüfungen rechne man damit, dass sich das veranschlagte Budget um bis zu fünf Prozent auf knapp eine Milliarde erhöhen könnte, sagt Thomas Balázs, KAV-Direktor für Infrastruktur und Organisationsentwicklung . Aus welchem Topf diese fünf Prozent "Risikoberechnung" hingegen kommen soll, kann niemand vom KAV sagen.
Zeitverzögerungen kosten
Damit würde das Krankenhaus im teuersten Fall etwa eine Milliarde Euro kosten. Balazs verwies mehrmals auf die Komplexität des Bauvorhabens, wodurch Schwierigkeiten nie auszuschließen seien. Konkret sprach er bei der Baustellenbesichtigung von "zwei größeren Problemen" in jüngerer Vergangenheit. Einerseits mussten Statikpläne nachträglich korrigiert werden, wobei der Rohbau trotzdem zeitgerecht - Mitte Juni - fertiggestellt werden konnte. Andererseits schlitterte die mit dem Fassadenbau beauftragte Firma in Insolvenz, was zu Zeitverzögerungen geführt hat. Der KAV-Direktor rechnet aber damit, dass die Außenhülle noch heuer geschlossen werden kann.
"Ziel ist es, das Krankenhaus im Jahr 2016 in Betrieb zu nehmen", verspricht Balázs. Einen genauen Zeitpunkt könne man noch nicht festmachen. Von "Soft Opening", einer "sanften Eröffnung", die schrittweise erfolgt, sprach die interimistische Leiterin des Krankenhauses, Sylvia Schwarz.
FPÖ-Stadtrat David Lasar kann über die Pläne des KAV nur den Kopf schütteln. Als "chaotische Zustände" bezeichnete er den Baufortschritt des Krankenhauses in einer Stellungnahme im Juli und sorgte damit bei den Bauträgern für Ärger.
Stadtrechnungshof prüft
Die Statikplanung des Hauses sei komplett falsch, die für die Fassadenerrichtung zuständige Firma aufgrund der Missstände am Bau in Konkurs gegangen. Aktuell herrsche dort sowieso "Baustopp". Dazu müsse man nur einen Blick auf die Baustellen-Live-Cam auf der Homepage des Krankenanstaltenverbundes werfen: "Dort arbeitet seit Wochen niemand", erklärt Lasar empört. Vor 2019 sei sicher mit keiner Inbetriebnahme zu rechnen, meint der Lokalpolitiker. Als Informationsquellen nennt er Insider der beteiligten Baufirmen.
Als größten Kritikpunkt nannte der FPÖ-Bezirksrat im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die massiven Kosten. Das verursachte Chaos beim Bau würde die Ausgaben immer mehr in die Höhe treiben. Laut seiner Einschätzung könne das Mega-Projekt bis zu 1,5 Milliarden Euro verschlingen. "Ein Generalunternehmer anstatt mehrerer Firmen hätte die Kostenexplosion verhindern können", behauptet Lasar. Im Juli hat er eine Projektprüfung beim Stadtrechnungshof eingereicht. Ende 2014 soll das Ergebnis vorliegen.
Externe Unterstützung
Die Vorwürfe des "Chaos am Bau" könne man nicht bestätigen - den Rohbau hätte man schließlich zeitgerecht abgeschlossen, betonte Thomas Balázs. Fehler bei der Statik hätte man umgehend ausgebessert. Die Insolvenz der Fassadenfirma hätte nichts mit dem KAV zu tun, sagte Architekt Wimmer bei der Baustellenbesichtigung: "Vor allem im Baufirmen-Segment dieser Größe kommt es zurzeit zu einer Marktbereinigung."
Um weitere Probleme zu vermeiden, hätte der KAV seine Bauherrenrolle massiv verstärkt - man habe Maßnahmen gesetzt, "um den optimalen Bauablauf sicherzustellen", erklärte Balázs.
Um unerwünschte Zwischenfälle künftig nach Möglichkeit zu vermeiden, holt sich der KAV als Bauherr externe Unterstützung. Konkret wurden mit drei Partnerunternehmen Rahmenverträge geschlossen, um Koordinationsleistungen punktuell zukaufen zu können, berichtete Balazs. Schließlich müssten für den Innenausbau bis zu 70 Auftragnehmer aufeinander abgestimmt werden. Und das bedarf Koordination - und eben Budget.

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