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Hohe Wellen an der Donau-Uni Krems

Von Katharina Schmidt

Politik

Neustrukturierung geplant, aber viele Widerstände. | Tritt Rektor Kern nun doch mit 1. September zurück? | Wien/Krems. "Haben Sie Zeit?" Das will erst einmal jeder Beteiligte wissen, wenn er nach den Hintergründen der Querelen an der Donau-Universität Krems (DUK) gefragt wird. Und Querelen gibt es viele: Seit ihrer Gründung 1995 findet sich die in der malerischen Wachau gelegene Weiterbildungseinrichtung in regelmäßigen Abständen in den Negativ-Schlagzeilen - meist wegen interner Streitigkeiten.


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So auch derzeit. Mit 1. Juli sind die beiden Vizerektorinnen Ada Pellert und Hanna Risku zurückgetreten, aus Ärger darüber, dass Rektor Heinrich Kern diesen Schritt nicht gesetzt hat. Aber der Reihe nach: Im Frühjahr 2007 wurde der Posten des DUK-Rektors neu ausgeschrieben. Im Rahmen eines üblichen Verfahrens - der Senat erstellt einen Dreiervorschlag, aus dem der Uni-Rat dann eine Person für den Posten auswählt - wurde der deutsche Werkstofftechniker Heinrich Kern zum neuen Rektor bestellt.

Daraufhin reichte der DUK-Arbeitskreis für Gleichbehandlung eine Beschwerde bei der internen Schiedskommission ein. Dass Ada Pellert trotz Bewerbung nicht in den Dreiervorschlag des Senats aufgenommen wurde, stelle eine Diskriminierung dar, hieß es. Der Arbeitskreis zog seinen Einspruch aber wieder zurück und brachte stattdessen Beschwerden beim Wissenschaftsministerium bei der Schiedskommission des Bundes ein.

Parallel dazu kamen die Träger der Uni, nämlich der Bund und das Land Niederösterreich, im Sommer 2007 zu der Überzeugung, den medizinischen Bereich von der DUK abzuspalten und in eine "LifeScience GmbH" auszulagern, die in eine Privatuni münden sollte. Kern könne dann Rektor der Life-Science-Uni sein, Pellert den Weiterbildungsbereich übernehmen. Im September wurde Kern jedenfalls Rektor.

Was dann geschah, wird von den Beteiligten unterschiedlich dargestellt: Während Pellert meint, die Weiterbildungsgruppe habe rasch neue Konzepte erstellt, von der Mediziner-Gruppe um Kern sei aber nichts gekommen, erklärt letzterer, dass man sehr wohl alle Möglichkeiten durchgespielt habe - ohne Ergebnis: "Irgendwo hat alles geklemmt, es war letztlich rechtlich nicht sauber durchsetzbar."

Also kam der Beschluss vom 1. April 2008: Statt einer kompletten Trennung würde man nur zwei eigenständige Fakultäten - eine für Medizin, eine für Weiterbildung - errichten. Kern sollte gemäß dieser Vereinbarung mit Ende Mai zurücktreten, "wenn sich ein adäquater Posten ergibt", meint er. Doch auch die Zwei-Fakultäten-Lösung habe sich nicht umsetzen lassen, daraufhin verweigerte Kern den Rücktritt - "man kann von mir nicht erwarten, dass ich meinen Job aufgebe und dann mit beiden Beinen in der Luft hänge". Zwar ist Kern schon seit dem Frühjahr Geschäftsführer der "LifeScience GmbH", doch diese existiert bisher nur auf dem Papier. "Geschäftsführer vom Hasenzüchterverein ist nicht adäquat", sagt er.

Streit um Schwerpunkt

Auch das sieht Pellert anders: "Eines der zentralen Probleme ist, dass Herr Kern zwar längst öffentlich zurückgetreten ist, aber man ihn immer noch amtieren lässt." Die Bildungswissenschafterin glaubt, dass Kern bestellt wurde, um die Medizin zu forcieren. "Es sind rasch viele neue Mediziner bestellt worden, auch mit Kerns Bestellung wurde offensichtlich der Plan verfolgt, die Donau-Uni in Richtung Medizin zu profilieren", erklärt sie.

Kern meint hingegen, dass bei seinem Amtsantritt 60 Prozent der Studenten im Medizin-Bereich angemeldet waren, aber nur ein Drittel der Professoren in diesem Bereich lehrte: "Es ist einfach nötig, dass ein sehr aktiver Bereich auch entsprechend mit Professoren ausgestattet wird."

Anfang Juli haben sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll darauf geeinigt, dass die Donau-Uni das Promotions- und Habilitationsrecht bekommen soll. Es werde auch notwendig sein, "personell in allen Gremien teilweise oder vollständig neu durchzustarten", so Hahn.

Privatuni ab 2009?

Was den medizinischen Bereich betrifft, so hält Niederösterreich an einer Privatuni fest. Doch statt komplizierter Umstrukturierungen wird nun schlicht eine neue Uni gegründet. Kern meint dazu: "Derzeit wird mit Hochdruck an den Papieren für das Akkreditierungsverfahren gearbeitet." Die neue Uni soll ein Medizin-Studium ab der Matura anbieten. Auf die Frage, ob er als Rektor der Privatuni vorgesehen sei, meint Kern: "Wenn mir das angeboten wird, gebe ich den Posten an der Donau-Uni frei." Und das könnte rasch der Fall sein: Der Studienbetrieb soll im Herbst 2009 aufgenommen werden.

Bei einer Sitzung des Uni-Rats vergangenen Freitag wurde beschlossen, den Rektorsposten doch neu auszuschreiben. Dem Vernehmen nach soll sich Kern ab 1. September nur mehr um den Aufbau der neuen Privatuni kümmern. Ob es dabei bleibt, wird man noch sehen. Oder, in den Worten Pellerts: Was wird, "werden die kommenden Monate zeigen, aber es schaut schwierig aus".