Zum Hauptinhalt springen

Horchposten: Abheben, aber mit Erdung

Von István Orbán

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 25 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Entdecker, Forscher, Abenteurer" am Sonntag um 10 Uhr in Österreich 1 begab sich auf Grenzwanderungen mit Rudolf Klaffböck, dem Passauer "Archäologen des Alltags", der rund 100 Tage an der

österreichischen Staatsgrenze zur Tschechischen Republik, zur Slowakei, zu Ungarn und Slowenien zu Fuß unterwegs war. Und es war gleichermaßen interessant, seine Grenz- wie Geherfahrungen zu hören.

Grenze, sagte Klaffböck, sei Konfrontation mit Geschichte und Gegenwart. Grenze sei immer eine Gegend, die sich stark wandelt durch die politischen Systeme. Grenze habe viel zu tun mit Krieg, und

Grenzgebiete seien immer die Leidtragenden gewesen. Besonders stark habe er das empfunden, als er durch Allentsteig gegangen ist: Als Hitler dort die 42 Ortschaften habe ausradieren lassen, da sei

der Rußland-Feldzug geprobt worden. Und ein ganz anderer Aspekt von Grenze: In bezug auf die Frauenquote in den Gasthäusern des Waldviertels, meinte ein Einheimischer, sei das ein Leben hier wie in

Marokko.

Über das Gehen sagte Klaffenböck, das sei die intensivste Art der Wahrnehmung. Gehen hebe die Zeit auf. Beim Gehen könne man abheben, aber mit Erdung; und weil die Füße am Boden bleiben, könne er im

Kopf ganz woanders sein. Und Gehen sei auch ein kreativer Prozeß. Einmal, in einem Platzregen, habe sich durch das Gehen eine Melodie in ihm entwickelt und die habe heraus müssen. Da habe er das

Tonbandgerät herausgenommen und hineingesungen. · Wann täte man das daheim?!

Die anschließende Sendung "Ambiente" war auch sehr interessant und wäre des Berichtens wert. Allein es fehlt hier an Platz.