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Horchposten: Integriert · abgeschoben

Von István Orbán

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In "Von Tag zu Tag" in Österreich 1 am Mittwoch diskutierte Brigitte Fuchs die Problematik der Abschiebung von familiär und gesellschaftlich voll integrierten jugendlichen Ausländern. Titel der

Sendung: "Heim in die Fremde · vor das Nichts". Wenn es überhaupt in die für die Betroffenen oft tatsächlich fremde Heimat geht.

Da wurde nämlich von einem 15jährigen Kosovo-Albaner berichtet, der mit Mutter und Schwester aus dem brennenden Dorf zunächst in die Wälder, und dann zum seit langem in Österreich lebenden und

arbeitenden Vater floh. Er ging hier in die Schule, lebte in intakter Familie. Der Asylantrag der Flüchtlinge wurde abgelehnt, die Ablehnung angefochten. Im vergangenen Dezember wurden Mutter und

Kinder abgeschoben, nicht in die Heimat, sondern nach Ungarn, ins Flüchtlingslager. Am nächsten Tag hob der Verwaltungsgerichtshof den Ablehnungsbescheid wegen Rechtswidrigkeit auf, da waren die

Betroffenen aber schon weg.

Nur ein Fall, aber kein Einzelfall. Mitarbeiter einer Hilforganisation sagten, sie könnten 100 ähnlich gelagerte Fälle aufzählen und forderten gesetzliche Rahmenbedingungen, damit das System keine

"Einzelfälle" mehr produzieren könne. Und ein Anrufer protestierte als österreichischer Staatsbürger gegen die geschilderten inhumanen Zustände und sagte, er schäme sich für diesen Staat, der mit

bürokratischen Schikanen Familien auseinanderzudividieren versuche.

Und ich dachte, unter anderem, an jüngste Berichte über rückläufige Geburtenraten und Sorgen um die Finanzierung des Pensionssystems . . .