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Hormone und ihr Ersatz: Zurück zu den Anfängen?

Von Christa Karas

Wissen

Die Vorgeschichte ist bekannt: Alarmierende Forschungsergebnisse zur Hormonersatztherapie, die u. a. ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko nachwiesen, haben zu neuen ärztlichen Richtlinien geführt, denen zufolge sich solche Behandlungen nur noch auf gravierende Fälle von Menopause-Beschwerden beschränken sollen. Schon zuvor hatten viele Frauen nach Bekanntwerden der Studiendaten ihre Präparate abgesetzt - was in etlichen Fällen nicht ohne Folgen geblieben ist, stellten sich doch alsbald wieder die bekannten Folgen - Hitzewallungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Schleimhauttrockenheit - wieder ein. - Also zurück zum Hormonersatz?


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Ja, sagt Univ.-Prof. Dr. Doris Gruber von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung der Universitätsklinik am Wiener AKH, denn: "Unsere Erfahrungen an der Klinik bestätigen, dass viele Frauen wieder verzweifelt zurück kommen, weil sie unter den typischen Wechselbeschwerden extrem an Lebensqualität verlieren." Doch just diese sei eines der wichtigsten therapeutischen Krititerien. Gruber plädiert allerdings nicht für eine Behandlung ohne Wenn und Aber:

"Die Ergebnisse der vieldiskutierten US-Studien sollten trotz tiefgreifender methodischer Zweifel nicht gänzlich in Abrede gestellt werden." Die strenge Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Diabetes, koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall, hohem Blutdruck, Übergewicht etc. sei mehr denn je notwendig: "Vorsicht muss bleiben!"

"Wiener Methode"

Aus diesem Grund spricht sich die Hormonexpertin für die "Wiener Methode" der Hormonersatztherapie aus, nämlich deren Individualisierung: "Das Eingehen auf die individuelle Situation der Frau ist gefordert - nicht das stereotype Verschreiben eines Hormonpräparats." Unter dem Stichwort "Lebenslustig durch den Wechsel" beantwortet Gruber Fragen rund um Hormone und Klimakterium auch im Internet (www.alternativ.med.at/foren ).

Doch wo bleiben dabei die zahlreichen und oft stark beworbenen sanften Alternativen durch Pflanzen und Homöopathie? - Nun, wie sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, wirken die weitaus meisten oft nicht so gut - oder überhaupt nicht. So untersuchten etwa niederländische Forscher die Wirksamkeit von Sojaprodukten hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Gedächtnisleistung, die Mineraldichte der Knochen und den Cholesterinspiegel. Wie sich bei der studie der Universität Utrecht an 200 Frauen herausstellte, gab es nach einem Jahr keine nennenswerten Unterschiede zwischen jener Gruppe der Frauen, die Soja eingenommen hatte, und jener, die Scheinpräparate erhalten hatte, bei diesen Faktoren.

Lästigen Beschwerden . . .

Allerdings: Die Wechseljahre sind, man kann´s nicht oft genug betonen, keine Krankheit, und sie verlaufen in den weitaus meisten Fällen wenig spektakulär, allenfalls verbunden mit den bekannten lästigen Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen und sexueller Unlust, die häufig durch die Trockenheit der Vaginalschleimhaut ausgelöst oder gefördert wird.

Und dagegen können Phytoöstrogene (Isoflavonoide), wie sie sich u. a. auch im Sojaprotein finden, durchaus hilfreich sein. Da sie allerdings in unterschiedlicher Konzentration in den diversen Pflanzen und Präparaten enthalten sind und niemand so genau weiß, welche Mengen davon vom Körper benötigt werden, läuft sich die Selbstmedikation - in der Regel können diese Mittel nicht verschrieben werden - auf einen reichlich kostenintensiven, permanenten Test hinaus, bei dem frau selbst das "Versuchstier" ist.

. . . lässt sich beikommen

Aus diesem Grund seien hier die bekanntesten, in den Apotheken erhältlichen Phytopharmaka genannt, denen eine gewisse Wirkung zugeschrieben werden kann - aber auch erwähnt, dass fast immer nur Kombinationen zum gewünschten Erfolg führen.

Rotklee (Trifolium pratense) ist reich an bestimmten Isoflavonoiden und wird bei allen Wechsel-Veränderungen empfohlen. Seine Wirksamkeit ist bisher allerdings nur in sehr kleinen Studien, also unzureichend belegt.

Besser erforscht ist die Traubensilberkerze (Cimifuga racemosa, Wanzenkraut), deren Inhaltsstoffe an Östrogenrezeptoren binden. Sie wirkt nicht nur gegen klimakterische Beschwerden, sondern gilt traditionell auch als leichtes Schlafmittel. Die sedierende Wirkung wird verstärkt durch Johanniskraut (Hypericum perforatum), das gegen Depressionen hilft (erhältlich als Kombinationspräparat).

Hilfe gegen Haarausfall

Forscher der Ruhr-Uni in Bochum fanden übrigens kürzlich als wichtigen und positiven Nebeneffekt heraus, dass Cimifuga racemosa das bisher einzige wirksame Mittel ist, um östrogen-bedingten Haarausfall- eine der unangenehmsten Begleiterscheinungen des Älterwerdens - zu stoppen und die Mähne wieder zum Wuchern zu bringen!

Zur Behebung der sexuellen Unlust in Verbindung mit vaginaler Schleimhauttrockenheit ist allerdings keines dieser Präparate geeignet und, wie es bis jetzt schien, überhaupt kein Kraut für Frauen gewachsen. Doch das stimmt neuerdings nicht mehr.

"Wunderpflanze" Damiana

Neben etlichen lokal anzuwendenden Lotionen und Gels ist seit einigen Monaten auch ein homöopathisches Medikament auf dem Markt, das gegen "sexuelle Schwäche und Libidoverlust" wirken soll. Zu diesem Zweck ist es zwar vor allem bei Männern ebenso hilfreich wie ein Placebo, für Frauen aber durchaus nützlich. Das liegt an seinem Wirkstoff, der Damiana (Turnera diffusa), einer seit Ewigkeiten vor allem in Mexiko bekannten Strauchpflanze.

Wie sich allerdings erst jetzt herausstellte, verfügt auch die Damiana über ein außergewöhnlich wirksames Phytoöstrogen, das offensichtlich via Durchblutungssteigerung die vaginale Schleimhaut befeuchtet. Fazit: Sex macht wieder Spaß, wenn auch vielleicht nicht in der vom Hersteller genannten Form des "rompe camisa macho" ("zerreisst dem Mann das Hemd").

Eine gewisse Vorsicht scheint im Fall Damiana allerdings aus einem anderen Grund geboten: Es ist nicht auszuschließen, dass sie bei Frauen, die dazu inklinieren, Migräne oder Kopfschmerzen auslöst. Also: Bei homöopathischen Dosen bleiben, weil weniger hier mehr macht!