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Humor, dringend gesucht

Von Christina Böck

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Es geht derzeit nicht ohne: Bei Preisgalas in den Vereinigten Staaten gehört es zum guten Ton, dass reichlich Kritik am amtierenden US-Präsidenten geübt wird. Die TV-Preise "Emmys" haben sich dafür entschieden, das Moralinsaure Meryl Streep zu überlassen und die Situation mit Humor zu nehmen. Das passte auch insofern, als ein Preis an Alec Baldwin für seine Donald-Trump-Parodie ging. Die hatte er über Monate in der Satiresendung "Saturday Night Live" gespielt. Ebenda wurde auch die kultige Persiflage von Trumps Ex-Pressesprecher Sean Spicer durch Komödiantin Melissa McCarthy geboren. Sie fuhr mit einem mobilen Podium aggressiv durch die Gegend, pöbelte Journalisten an und kaute dabei kiloweise Kaufgummi. Bei der Emmy-Gala fuhr nun in demselben Podium der echte Sean Spicer als Überraschungsgast auf die Bühne. Er deklamierte auf die vom Moderator angesprochene Sorge um die Quote: "Dies wird die größte Zuschauerzahl sein, die jemals die Emmys verfolgt hat. Punkt!" Damit spielte er auf seine eigenen Aussagen über die angezweifelten Menschenmengen bei Trumps Amtseinführung an. Die Meinungen über den Auftritt gingen auseinander. Einige Beobachter fanden es unerträglich, dass Spicer, der nicht wenig am schlechten Image der "Lügenpresse" gefeilt hat, eine so heitere Bühne bekommt.

Mit solchen Unversöhnlichkeiten wird man aber auf die Dauer auch nicht weiterkommen. Immerhin hat Spicer bewiesen, dass er etwas hat, was sein Ex-Chef schmerzlich vermissen lässt: Humor. Wäre hilfreich, wenn auch so manche Ewignörgler ihren wieder ausgraben würden.