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Hunde sind schwierig

Von Sharon Cohen

Wissen

"Missy" hat eine eigene Website, auf der sie freundlich mit dem Schwanz wedelt. Und sie beschäftigt ein Team von Forschern, das dafür sorgen soll, dass die 14-jährige Mischlingshündin nach ihrem Tod weiterlebt - oder jedenfalls ein Klon von ihr. Dafür haben die wohlhabenden Halter von "Missy", die anonym bleiben wollen, der Universität Texas A&M 3,7 Mill. Dollar (4,22 Mrd. Euro/58,1 Mrd. S) gespendet. Seit drei Jahren wird am Missyplicity-Projekt gearbeitet.


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Doch nicht nur Hunde sollen geklont werden: Das Unternehmen Genetic Savings & Clone, an dem auch Forscher des Missyplicity-Projekts beteiligt sind, hat Zellen von Katzen, Pferden, Ziegen, Rindern, Löwen und weiteren Tieren eingefroren. Auch die Firma Advanced Cell Technology (ACT) im US-Staat Massachusetts lagert Zellen in Flüssigstickstoff, darunter solche von Tieren gefährdeter Arten wie Gazellen und Antilopen. Auftraggeber sind Haustierhalter, Zoos und Naturparks.

Eine Abteilung von ACT konzentriert sich auf Hauskatzen, die als Klonmodell für gefährdete Großkatzen wie den Sibirischen Tiger dienen sollen. Bisher wurden aber noch keine geklonten Katzen geboren. ACT war auch am Klonen eines Gaurs beteiligt, einer Wildochsenart. Das Tier wurde im Januar geboren, starb aber nach zwei Tagen an Ruhr. Nach Angaben beteiligter Wissenschafter ist nicht geklärt, ob die bakterielle Infektion mit dem Klonen zu tun hatte.

Das Klonen von Hunden sei schwierig, heißt es, denn sie werden nur ein oder zwei Mal im Jahr läufig, anders als etwa Rinder. Dadurch seien Eizellen schwieriger erhältlich. Bei Katzen sei es einfacher, doch haben die Forscher bei ACT noch nicht herausgefunden, wie viele geklonte Embryos einem Muttertier eingepflanzt werden müssen, um eine Schwangerschaft auszulösen.

Chuck Long vom Vorstand von Genetic Savings & Clone schätzt, dass es in ein bis zwei Jahren möglich sein wird, Katzen und Hunde zu klonen - Katzen vermutlich zuerst. Das Klonen von Hunden werde zunächst sehr teuer sein, Long spricht von Summen im sechsstelligen Bereich. Doch müssten die Kosten auf 25.000 Dollar (28.526 Euro/392.523 S) oder darunter sinken, bevor ein echter Markt entstehe. Philip Damiani, Forscher bei ACT, schätzt die Kosten für die ersten geklonten Katzen auf 5.000 bis 10.000 Dollar (5.705 Euro/78.505 S bis 11.410 Euro/157.009 S), später könnten sie auf etwa 1.000 Dollar (1.141 Euro/15.701 S) sinken.

Der Vorstandsvorsitzende von Genetic Savings & Clone, Lou Hawthorne, sagt, seine Firma habe bereits den Wunsch eines Künstlers nach einem Hund abgelehnt, der im Dunkeln leuchtet. Französische Forscher hätten dem Künstler jedoch bereits ein solches Kaninchen entwickelt. Ebenfalls abgelehnt wurde der Wunsch eines Forschers nach einem Hund, der unter Wasser atmen kann. Hawthorne:"Ich habe ihm ein Foto von einem Seelöwen geschickt und gefragt: 'Ist es das, was Sie sich vorstellen?'"

Bedenken müssen Interessierte, dass beim Klonen lediglich eine genetische Kopie entsteht - das neue Tier kennt nicht die Tricks des alten. "Es ist keine Wiederauferstehung, es handelt sich um eine Reproduktion", sagt Mark Westhusin, der das Missyplicity-Projekt leitet. Auch Hawthorne warnt: "Man kann die vertraute Beziehung nicht klonen. Man kann die Erfahrung nicht klonen, sondern nur den Körper, vielleicht hat das neue Tier Charakterzüge des alten, aber es hat nicht dessen Erinnerungen."

(http://www.missyplicity.com/ http://www.savingsandclone. com/ http://www.advancedcell.com/ http://www.tamu.edu/)