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Hypo Alpe Adria: Anklagen werden erst 2007 fertig

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Ermittlungen auch gegen Noch-Vorstand Thomas Morgl. | Wien. Während die Anklagen in Sachen Bawag inzwischen bei den Betroffenen eingelangt sind, wird es im zweiten großen heimischen Bankenskandal noch etwas dauern: Anklagen werde es "nicht vor Anfang 2007" geben, erklärt die zuständige Staatsanwältin Carmen Riesinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


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Der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Grazer Wirtschaftssachverständige sei bisher noch mit zwei anderen großen Wirtschaftsfällen - unter anderem Herberstein - beschäftigt gewesen, werde sich nun aber intensiv um das Hypo Alpe Adria-Gutachten kümmern, erklärt der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz. Der Gutachter soll in erster Linie prüfen, wie die hochriskanten Spekulationsgeschäfte in der Bank abgewickelt wurden, die wie berichtet den Verlust von 328 Mio. Euro verursacht haben. Dafür stehen ihm auch die Unterlagen der Finanzmarktaufsicht (FMA) und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zur Verfügung, die in der Sache bereits ermittelt haben. Das Gutachten wird dann dem Landesgericht und schließlich der Staatsanwaltschaft Klagenfurt übergeben, die dann entscheiden muss, ob gegen einen oder mehrere der involvierten Personen Anklage erhoben wird.

Da der Aufsichtsrat nicht unverzüglich von den Verlusten informiert worden war, und dieser auch nicht vollständig in der Bilanz aufgeschienen ist, wird wegen des Verdachts der Untreue und Bilanzmanipulation ermittelt. Im Visier der Staatsanwaltschaft sind dabei nicht nur der zu diesem Zeitpunkt verantwortliche Abteilungsleiter und die beiden inzwischen zurückgetretenen Vorstände Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger, sondern auch Thomas Morgl, der nach wie vor im Vorstand der Hypo Group Alpe Adria ist (für sie alle gilt die Unschuldsvermutung). "In wieweit diese Personen strafrechtlich verantwortlich sind, wird erst das Gutachten zeigen", betont Riesinger. Die FMA hat ihr Amtsenthebungsverfahren gegen den Vorstand nach dem Rücktritt von Kulterer und Striedinger eingestellt. Wie berichtet, ist Kulterer inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der Bank.