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Hypo-Beteiligungen: Auf der Deponie ticken die Zeitbomben

Von Stefan Melichar

Wirtschaft
Bei der Hypo hat man Ende 2009 auf die verbliebenen Risiken rund um den Consultants-Verkauf reagiert und im betroffenen Bereich die Manager ausgetauscht. Foto: ap

Nach Deal 2007 mehr als 40 Millionen Euro Verlust. | Hypo musste schon 2008 für 50 Millionen Euro geradestehen. | Wien/Klagenfurt. Im verwinkelten Leichenkeller der Hypo Group Alpe Adria nimmt der Verkauf der sogenannten Consultants-Sparte im März 2007 einen besonders prominenten Platz ein: Einerseits ermittelt diesbezüglich bereits die Staatsanwaltschaft, andererseits wird nun klar, dass auch wirtschaftlich damals schon alle Alarmglocken bei der Kärntner Bank schrillen hätten müssen.


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Wohl zum ersten Mal seit dem Beginn ihres halsbrecherischen Wachstums war die Hypo im Vorfeld des Deals dazu gezwungen, bei ihren zahllosen Balkan-Projekten die Spreu vom Weizen zu trennen. Von insgesamt 115 über die Consultants gehaltenen Beteiligungen in Kroatien, Serbien und Bosnien wurden 2006 ganze 42 ausgesiebt - nicht zuletzt, um die Sparte für den Verkauf fit zu machen.

Dokumente, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, zeigen, welche dramatischen Folgen dies für die Hypo gehabt hat - und immer noch hat. Zahlreiche Problemfälle sind nämlich an der Bank hängen geblieben.

Gezielter Umbau

Als interne Deponie fungiert etwa die Hypo Alpe Adria Beteiligungen GmbH - eine Sub-sub-Tochter der Hypo International. Ursprünglich firmierte die 2004 gegründete Gesellschaft unter dem Namen Münzer Beteiligungs GmbH. Geschäftsführer war ab März 2005 unter anderem der knapp vorher aus der Politik ausgeschiedene Kärntner Finanzlandesrat Karl Pfeifenberger (damals FPÖ). Im November 2006, als auch der Consultants-Verkaufsprozess so richtig ins Laufen kam, wurde die Firma umbenannt und konzernintern der Hypo Vermögensverwaltung GmbH zugeordnet. Pfeifenberger wurde abberufen, zum Jahresende übernahm eine - wie Insider berichten - enge Vertraute des ehemaligen Consultants-Chefs Gerhard Süss einen der Chefposten.

Der Grund für die Umstrukturierung liegt auf der Hand: Laut der Bilanz der Hypo Alpe Adria Beteiligungen GmbH legte der Buchwert der Beteiligungen und der Anteile an verbundenen Unternehmen bereits im Jahr 2006 von einem symbolischen auf mehr als acht Millionen Euro zu. Von den zwölf angeführten Firmenbeteiligungen stammten zehn aus der Consultants-Gruppe - darunter nicht nur Projektgesellschaften, sondern auch die gesamte Consultants-Ländertochter aus Liechtenstein.

Bedrohlicher Zuwachs

Einzelne der ehemaligen Consultants-Projekte dürften später abgestoßen worden sein, andere Beteiligungen - sowohl von in- als auch von außerhalb der einstigen Hypo-Sparte - sind allerdings dazugekommen. Was man sich damit aufgehalst hatte, zeigt die Bilanz für 2008 - die jüngste, die zugänglich ist: Der Anschaffungswert aller Beteiligungen belief sich Ende 2008 auf insgesamt 121 Millionen Euro. Davon musste die Gesellschaft 2007 und 2008 alles in allem mehr als 43 Millionen Euro abschreiben. Auch der Verlust dieser beiden Jahre summiert sich auf mehr als 40 Millionen Euro. Ende 2008 betrug das negative Eigenkapital 40,1 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 117,8 Millionen Euro.

Dass die Hypo Alpe Adria Beteiligungen GmbH dennoch nicht als überschuldet galt, liegt nicht zuletzt daran, dass die Hypo International im Rahmen der Bilanzerstellung 2008 eine Patronatserklärung über 50 Millionen Euro abgegeben hat. Angesichts einiger tickender Zeitbomben im Beteiligungsportfolio könnte sich die Lage aber seither weiter verschärft haben. Jedenfalls wurde bereits Ende 2009 reagiert und das Management ausgetauscht. Nun kümmert sich unter anderem der Chef der Hypo Alpe Adria Immobilien AG um den hausinternen Sanierungsfall.