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Hypo bittet schon jetzt zur Kasse: Abwicklungsplan löst akuten Kapitalbedarf aus

Von Karl Leban

Wirtschaft

Kärntner Krisenbank braucht für Halbjahresbilanz weitere Geldspritze.


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Wien. Da bleibt wohl kein Auge trocken: Die schwer marode Hypo Alpe Adria muss den Steuerzahler früher als erwartet zum Handkuss bitten. Die notverstaatlichte Bank braucht schon jetzt Nachschub an frischem Kapital. Der Grund sind Verluste aus der Bewertung ihrer Balkan-Töchter und Abschreibungen auf Kredite, die mit dem neuen Abbauplan für die EU-Wettbewerbshüter zu tun haben und bereits in der Bilanz zum soeben zu Ende gegangenen ersten Halbjahr fix zu berücksichtigen sind.

Ohne neue Geldzufuhr fiele die Hypo bei ihrem Eigenkapital unter eine kritische Marke. Die Republik, die bisher schon mehr als zwei Milliarden Euro in die Kärntner Krisenbank gepumpt hat, ist daher unmittelbar gefordert, Kapital nachzuschießen. Andernfalls wäre es dem Institut nicht möglich zu bilanzieren.

Wie die Hypo am Montag mitteilte, wird der Kapitalbedarf gerade erst ermittelt. In Finanzkreisen spekuliert man jedoch bereits über eine Milliardensumme, während der Bund für heuer lediglich 700 Millionen Euro in Sachen Hypo budgetiert hat.

Ein Sprecher von Finanzministerin Maria Fekter gab sich gelassen: "Im Budget ist jedenfalls vorgesorgt." Im Gegensatz dazu war bei Insidern zuletzt wiederholt zu hören, dass sich der zusätzliche Kapitalbedarf für die Hypo im Gesamtjahr 2013 gar auf mindestens zwei Milliarden Euro summieren könnte.

Wie viel Steuergeld bis Jahresende nötig ist, um das verlustbedingte Kapitalloch zu stopfen (wie tief es auch sein mag), hängt von den endgültigen Brüsseler Auflagen zur Abwicklung der Bank ab, die im Gegenzug für die Staatsbeihilfe verlangt wird. Den neuen Hypo-Abbauplan hat die EU-Kommission seit dem Wochenende, laut ihren jüngsten Aussagen soll in der brisanten Causa rasch entschieden werden.

Nachdem für das Österreich-Geschäft der Hypo vor wenigen Wochen bereits ein Käufer gefunden wurde, will Wien von Brüssel eine längere Frist für den weit schwierigeren Verkauf des Südosteuropa-Geschäfts zugestanden bekommen - nach Möglichkeit bis Mitte 2015. Fix ist vorerst nur, dass ein Zwangsverkauf durch die EU, der auch die italienischen Hypo-Aktivitäten betroffen hätte, vom Tisch ist. Dazu das Finanzministerium: "Der von der Europäischen Kommission zunächst geforderte Verkauf aller Einheiten bis Ende 2013 konnte abgewendet werden."

Bad Bank: Weniger Druck auf

Kapital der Hypo-Kernbank

Die Balkan-Banken sollen also zu einem späteren, für den Verkauf günstigeren Zeitpunkt abgestoßen werden. Ihre Italien-Bank hat die Hypo unterdessen aus dem Wettbewerb genommen - ein weiterer Eckpunkt des neuen Abwicklungsplans, der Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gnädig stimmen soll. Demnach wird in Italien seit 1. Juli kein Neugeschäft mehr getätigt, betreut - und zwar bis zum Auslaufen - wird nur noch bestehendes Geschäft.

Um nochmals auf den zusätzlichen Kapitalbedarf der Hypo zurückzukommen: Wie viel Geld der Bund heuer alles in allem flüssigmachen muss, hängt auch davon ab, wie schnell eine ebenfalls geplante Bad Bank ins Leben gerufen werden kann. Eine solche Abwicklungseinheit als eigene Deponie für alle Altlasten, Problemkredite und unverkäuflichen Bankteile würde nämlich den Kapitalbedarf der Kernbank mindern, heißt es nicht nur bei der Hypo. Zudem würde eine Bad Bank den Verkauf der Balkan-Töchter erleichtern.

IWF: Staatshaushalt droht durch Hypo keine Gefahr

Ist die von Wien vorgelegte Roadmap solide, werde auch Almunia flexibel sein, meinte der österreichische EU-Regionalkommissar Johannes Hahn am Montag zur Austria Presse Agentur. Klargestellt müsse allerdings sein, dass die Dinge so zu Ende gebracht werden, wie sie angekündigt wurden. "Das muss passieren", so Hahn.

Für den IWF, den Internationalen Währungsfonds (siehe auch unten stehenden Artikel), ist die Hypo "eine jener Banken, die uns in Österreich Sorge machen". Weitere Verluste seien "wahrscheinlich", nach Einschätzung des IWF sollte das Staatsbudget diese dennoch "verdauen" können.