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Hypo braucht noch heuer 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro

Von Karl Leban

Politik

Kurzfristiger Kapitalbedarf soll mit Geld aus Bankenhilfspaket bedeckt werden.


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Wien. Die staatliche Krisenbank Hypo Alpe Adria bleibt ihrem Ruf als Fass ohne Boden treu. Noch in diesem Jahr braucht das Kärntner Institut eine weitere Kapitalspritze. Musste die Republik schon im heurigen Sommer 700 Millionen Euro zuschießen, damit die Hypo zum Halbjahr überhaupt bilanzieren konnte, kommt es jetzt allerdings noch dicker.

Demnach hat die schwer marode Bank einen kurzfristigen Kapitalbedarf von "deutlich mehr als einer Milliarde", wie es aus dem Umfeld der Hypo zur "Wiener Zeitung" heißt. Konkret ist von "voraussichtlich 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro" die Rede. Dass es zwei Milliarden Euro und mehr sein würden, worüber Medien vor Monaten spekuliert hatten, wird indes verneint.

"Noch Geld im Bankenpaket"

Neue Schulden aufnehmen müsste der Bund nicht. "Es liegt noch Geld im Bankenhilfspaket", ist bei einem Insider zu hören, der mit dem Fall Hypo vertraut ist.

Bisher hat der Bund 2,75 Milliarden Euro Cash in die Hypo gepumpt. Inklusive der "Mitgift" des Landes Kärnten bei der Notverstaatlichung im Dezember 2009 sind es 2,93 Milliarden Euro, die die öffentliche Hand bis dato gezahlt hat.

Detail am Rande: Dem Vernehmen nach soll der jetzige Kapitalbedarf der Hypo der Grund für einen Besuch von Aufsichtsratschef Klaus Liebscher am Mittwoch im Finanzministerium gewesen sein - nicht die geplante Bad Bank. Die Vorschläge zu dieser Abbaueinheit, die nach 2013 eine kapitalschonende Abwicklung der Hypo ermöglichen soll, will Liebscher Mitte November vorlegen: "Unsere Arbeiten sind in der Endphase."

Wie berichtet, ist eine Expertengruppe, die der frühere Nationalbankchef leitet, im Auftrag der Regierung seit Juli damit beschäftigt, ein geeignetes Modell für eine Bad Bank zu finden. Ursprünglich wollte Liebscher der Politik bereits Ende September, Anfang Oktober Entscheidungsgrundlagen liefern. Weil jedoch immer wieder unzählige Detailfragen auftauchten und das Projekt somit viel komplexer war als erwartet, hat sich alles zeitlich verzögert.

Nicht vor dem Frühjahr 2014

Zwei Punkte sind für eine Hypo-Bad-Bank, in die notleidende Kredite und vorerst nicht anzubringende Assets verschoben werden sollen, entscheidend. Ihr Kapitalbedarf muss im Vergleich zur Hypo in deren jetziger Form geringer sein, und sie darf keinesfalls auf den Schuldenstand der Republik durchschlagen (deshalb auch die Debatte um eine mehrheitliche Beteiligung der Großbanken an dem Abbau-Vehikel). "Materialisieren sich diese beiden Hoffnungen nicht, bleibt alles beim Alten", heißt es bei der Hypo.

Die politische Entscheidung für eine Bad-Bank-Lösung könnte noch heuer fallen. Insider rechnen allerdings damit, dass es die Abbaubank nicht vor dem Frühjahr 2014 geben wird. Dafür bedarf es wohl auch einer sondergesetzlichen Regelung. Zuletzt waren für eine Bad Bank Varianten mit einem Volumen von bis zu 19 Milliarden Euro im Gespräch.