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Hypo Group wird zum Milliardengrab

Von Karl Leban

Wirtschaft

Rufen Kärntner beim Staat erneut Kapital ab? | Am Balkan türmen sich Berge von faulen Krediten. | Klagenfurt. Bei der Kärntner Hypo Group Alpe Adria ist nach wie vor Feuer am Dach - mittlerweile sogar mehr denn je. Heuer wird die mit Staatsgeld gestützte Klagenfurter Bank ihren Vorjahresverlust von 520 Mio. Euro nämlich nochmals üppig toppen. Unterm Strich erwartet die Hypo, die schon bisher als größtes Sorgenkind der Bayerischen Landesbank (BayernLB) galt, einen Abgang von "deutlich mehr als einer Milliarde Euro".


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Auf rote Zahlen auch in diesem Jahr hatte Franz Pinkl, der neue Hypo-Chef, zwar schon vor Monaten eingestimmt. Die am Dienstag erstmals konkret bezifferte Höhe des Verlusts kam denn doch überraschend. Was für tiefe Löcher in der heurigen Bilanz sorgen wird, sind weitere massive Vorsorgen für faule Kredite vor allem in den Balkanländern. In dieser besonderen Problemregion Osteuropas ist die Hypo prominent vertreten.

Die BayernLB lässt gerade bei ihrer Tochter sämtliche Kreditbücher durch den Wirtschaftsprüfer KPMG checken. Laut Hypo zeichnet sich bei diesem "Asset Screening", dessen Ergebnis bis Jahresende vorliegen soll, schon jetzt ab, dass die Vorsorgen für Kreditrisiken erneut kräftig erhöht werden müssen. In Finanzkreisen ist von einem Betrag jenseits der Milliarde die Rede. Durch die Hypo-Misere droht auch der BayernLB ein Milliardenverlust für 2009.

Fünfte Finanzspritze in Folge

Mit dem nun absehbaren Bedrohungspotenzial spitzt sich für die Hypo alles auf eine weitere Kapitalspritze - es wäre die fünfte seit Ende 2006 - zu. Eine außertourliche Hauptversammlung ist bereits einberufen, und zwar für 10. Dezember. Vorerst ist noch unklar, ob die ebenfalls schwer kriselnde BayernLB als 67-Prozent-Eigentümerin alleine für frisches Kapital sorgt oder ob auch die Miteigentümer (vor allem die Grazer Wechselseitige) sich beteiligen.

Die BayernLB, die selbst zur eigenen Rettung vom Freistaat Bayern bereits mit zig Milliarden aufgepäppelt werden musste, sieht sich zwar mit einer Kernkapitalquote von 10,7 Prozent soweit kapitalisiert, dies notfalls auch im Alleingang stemmen zu können. Ein Sprecher schloss am Dienstag auf Anfrage der "Wiener Zeitung" aber nicht aus, dass die Hypo erneut bei der Republik Österreich vorstellig wird, um aus dem Bankenpaket Kapitalhilfe abzurufen.

Pröll: Schärfere Konditionen

Finanzminister Josef Pröll meinte dazu generell: Sollten Banken um einen Nachschlag kommen, werde man unter anderen Voraussetzungen neu verhandeln müssen. In jedem Fall werde man einen "genaueren und engeren neuen Vertrag brauchen". Für eine Verlängerung der staatlichen Hilfsmaßnahmen für Banken hat sich Pröll bereits am Montag ausgesprochen. Auch Bundeskanzler Werner Faymann steht dem aufgeschlossen gegenüber. "Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit haben für uns mindestens den gleichen Stellenwert wie die Sicherung der Stabilität des Bankensektors", betonte ein Sprecher Faymanns.