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Hypo hat Probleme mit Anlegern am Hals

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Rückstellung von vier Millionen Euro wegen möglicher Falschberatung.


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Wien/Klagenfurt. Ihre Vergangenheit holt die Kärntner Hypo in mehrerlei Hinsicht immer wieder ein - nun kommen zu all den sonstigen wirtschaftlichen und rechtlichen Schwierigkeiten auch noch Probleme mit Anlegern dazu. Wegen einer möglicher Fehlberatung von Kunden musste die Österreich-Tochter der verstaatlichten Bank eine Rückstellung im Ausmaß von vier Millionen Euro bilden. "Im Falle einer Beraterhaftung aufgrund mangelhafter oder falscher Beratung von Kunden ist dieser Betrag sowohl für die erwachsenden Aufwendungen der rechtlichen Schritte sowie gegebenenfalls für Schadensersatzleistungen vorgesehen", heißt es im Geschäftsbericht 2011.

Offenbar steht die Rückstellung in Zusammenhang mit einer kleinen Zahl konkreter Einzelprodukte, die an einige Hundert Kunden verkauft worden waren. Erfahrungsgemäß ergeben sich je nach Risikoprofil des Investors unterschiedliche Beratungsnotwendigkeiten. Bei ein paar Dutzend Anlegern könnten sich für die Bank jedoch tatsächlich Probleme auftun.

"Die Aufarbeitung der Vergangenheit hat gezeigt, dass es möglicherweise Mängel gegeben hat", bestätigt ein Hypo-Sprecher der "Wiener Zeitung". "Die Bank ist in konstruktiven Gesprächen, um Lösungen zu finden, dort wo es tatsächlich einen Beratermangel in der Vergangenheit gegeben hat."

Klage wegen Bayern-Papiers

Offenbar geht man bei der Hypo nicht von einem Täuschungsvorsatz aus. Ein heikler Punkt beim Verkauf von Anlageprodukten der Bank ist die Haftung des Landes Kärnten gegenüber der Hypo. Wie die Erfahrung zeigt, gibt es immer wieder Missverständnisse in Bezug darauf, was von der Landeshaftung tatsächlich umfasst ist - und was nicht. So mancher Kunde könnte ein Anlageprodukt im Irrglauben erworben haben, dass ihm ohnehin nichts passieren kann.

Bereits im Vorjahr vor Gericht gebracht hat eine Hypo-Kundin einen Fall, in dem es um ein von der früheren Hypo-Mutter BayernLB ausgegebenes Anlagezertifikat geht. Die Frau hatte 100.000 Euro in das Papier investiert. Laut ihrem Anwalt Hannes Arneitz belaufe sich der eingeklagte Kursverlust auf 58.000 Euro. Seine Mandantin werfe der Hypo vor, bei der Beratung das Zertifikat als risikoarm und sicherer als Spareinlagen beschrieben zu haben. Nach dem Einstieg der BayernLB bei der Hypo im Jahr 2007 seien Hypo-Mitarbeiter angewiesen worden, verstärkt Produkte der Münchner Konzernmutter zu verkaufen. Die Landeshaftungen wären in dieser Klage jedoch kein Thema gewesen, so Arneitz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung."

Die Hypo bestreitet dem Vernehmen nach diese Vorwürfe und hat in erster Instanz auch recht bekommen. Offenbar sah das Gericht die Beratungspflichten nicht verletzt, da im sogenannten Term-Sheet vermerkt war, dass auch ein Totalverlust möglich wäre. Arneitz vermutet jedoch weiterhin Fehler in der begleitenden Beratung. Seine Mandantin hat Anfang des Jahres Einspruch beim Oberlandesgericht Graz eingelegt, eine Entscheidung steht noch aus.

Reibereien mit Kunden gab es auch in Zusammenhang mit einem Hedgefonds. Verwaltet wurde dieser von der damaligen Hypo-Kapitalanlage-GmbH, an der die Kärntner Hypo bis 2009 beteiligt gewesen ist. Im Zuge der internationalen Finanzkrise musste der Fonds aufgelöst werden. Aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten ist es für die Investoren aber offenbar nur zur teilweisen Rückzahlung ihrer Gelder gekommen. Anleger sollen daraufhin behauptet haben, dass bei der Beratung die Kündigungsmöglichkeiten anders dargestellt worden wären. Wie zu hören ist, hat die Hypo hier - bereits vor längerer Zeit - den einen oder anderen Vergleich geschlossen.