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Hypo-Rettung: Trichet schaltet sich ein

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft

Im Ringen um die Rettung der Hypo Alpe Adria schaltet sich nun die Europäische Zentralbank ein. Deren Präsident Jean-Claude Trichet ist seit 22 Uhr 30 über Telefon mit Wien verbunden. Die Bankchefs von Bank Austria, Wilhelm Cernko, Raiffeisen Zentralbank, Walter Rothensteiner und Erste Bank, Andreas Treichl, waren schon vorher ins Finanzministerium zitiert worden. Es geht bei ihnen - wie bereits in der Freitag-Ausgabe der Wiener Zeitung berichtet - um eine Beteiligung dieser Großbanken an der Rettungsaktion. Von einer Pleite der Hypo blieben auch die RZB, die Erste und die Bank Austria nicht unberührt, weil diese Institute in der Balkanregion stark engagiert sind.


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Seit Donnerstag wird praktisch nonstop über die Rettung der Hypo Alpe Adria verhandelt. Bis Montag früh erwartet die Finanzmarktaufsicht eine Lösung. Dem Vernehmen nach hat der Mehrheitseigentümer der angeschlagenen Hypo, die Bayern LB, mittlerweile 500 Millionen Euro frisches Kapital geboten. Das ist freilich deutlich zu wenig. Die Hypo benötigt, um nur für heuer bilanzieren zu können, deutlich mehr als eine Milliarde Euro. Die österreichische Regierung ist ziemlich sauer, und hat am Sonntag zuerst auf hart geschaltet: keine Übernahme der Hypo ohne signifikante Beteiligung der Eigentümer, also der Bayern, dem Land Kärnten und der Grazer Wechselseitigen Grawe.

Die Bayern wollen, dass die Republik die Hypo übernimmt, und einen großen Teil der Lasten dazu.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet befürchtet - im Falle einer Hypo-Pleite - einen Dominoeffekt: Erstens würden die Aktienkurse von Erste, Unicredit und Raiffeisen International einbrechen. Denn eine Hypo-Pleite würde die Balkanstaaten, allen voran Kroatien, aber auch Slowenien, Serbien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro in eine Banken- und Immobilienkrise stürzen. Dort sind diese Banken ebenfalls stark engagiert.

Zweitens könnte die Bankpleite die Bonität der Republik Österreich verschlechtern. Das bliebe nicht ohne Auswirkungen auf den Kurs des Euro. Der steht durch das Budgetdesaster in Griechenland bereits unter Druck. Probleme eines Landes wie Österreich, das über die beste Kreditwürdigkeit (AAA) verfügt, wären noch schlechtere Nachrichten.

Beobachter rechnen damit, dass durch die sonntägliche Intervention Trichets neuerlich Bewegung in die zuvor festgefahrenen Verhandlungen gekommen ist. Dem Vernehmen nach hat Trichet vor dem Telefonat mit dem Finanzministerium auch mit deutschen Stellen gesprochen, um die Bayern noch von ihrer sturen Position wegzubringen.