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Hypo Tirol droht neues Kapitalloch

Von Karl Leban

Wirtschaft

Alle Ratings gesenkt und noch dazu mit negativem Ausblick versehen.


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Innsbruck/Wien. Seine Krise ist bereits ein Dauerzustand: Immer wieder erschüttern ihn Skandale, er hat Strukturprobleme, gilt wegen seines überholten Geschäftsmodells alles andere als ertragsstark und leidet unter der ungesunden Nähe zur Politik. Die Rede ist vom Hypo-Sektor, der seit Jahren laufend für negative Schlagzeilen sorgt und ohne öffentliche Finanzhilfen längst zusammengebrochen wäre. Ihm gehören zehn Banken an, davon haben vor allem zwei große Probleme.

Neben der Kärntner Hypo Alpe Adria, dem mit Abstand größten Sorgenkind im Sektor, ist auch die Hypo Tirol ein veritabler Sanierungsfall. Die landeseigene Bank geriet vor einem Jahr wegen hoher Abschreibungen bei ihrer Italien-Tochter (125 Millionen Euro) in Schieflage. Gerettet wurde sie mit einer Kapitalspritze des Landes im Volumen von 220 Millionen Euro. Geht es nach Moody’s, dürfte damit aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Mittelfristig hält die Ratingagentur neue Kapitalhilfen von außen für sehr wahrscheinlich. Für 2016 und 2017 - da reifen die meisten garantierten Verbindlichkeiten ab - geht sie von einem großen Finanzierungsloch aus.

Ihre Ratings für die Hypo Tirol hat Moody’s vor dem Wochenende allesamt gesenkt und - dem nicht genug - jeweils mit einem negativen Ausblick versehen. So wurde etwa die langfristige Bewertung der Einlagen und Verbindlichkeiten gleich um mehrere Stufen - von A2 auf Baa2 - zurückgenommen. Drastisch fiel auch die Neubewertung der Finanzstärke aus, sie wurde von D auf E+ herabgestuft (E ist die schlechteste Note). Für die Refinanzierung des Instituts an den Märkten bedeutet der jüngste Rundumschlag von Moody’s nichts Gutes.

In Tirol gehen Wogen hoch

Alles in allem zeichnen die Bonitätswächter für die Tiroler Hypo ein düsteres Bild. Nach ihrer Restrukturierung werde das Institut mit einem sehr verkleinerten, auf den engen Markt Tirol beschränkten Auftritt auskommen müssen, so Moody’s. Das Potenzial für ausreichende künftige Erträge werde sehr gering sein, weshalb weitere Kapitalhilfen nicht auszuschließen seien.

Die Rückstufungen durch Moody’s stehen vor allem auch im Zusammenhang mit dem Umstrukturierungsplan, den die Bank ausrollen muss, um jene Auflagen zu erfüllen, die die EU-Wettbewerbshüter im Oktober bei der Genehmigung der öffentlichen Hilfe erteilt haben. Bis 2015 muss die Hypo Tirol ihre Bilanzsumme, die Ende 2011 bei 13,5 Milliarden Euro lag, auf acht Milliarden Euro schrumpfen. Einstellen muss sie auch ihr Geschäft in Deutschland und Italien (exklusive Südtirol).

In Tirol schlug das Thema Hypo am Freitag hohe Wellen. Die neuesten Meldungen "geben Anlass zu schlimmsten Befürchtungen, dass nicht alle Karten auf den Tisch gelegt wurden und sich noch weitere Leichen im Hypo-Keller befinden", hieß es vonseiten der SPÖ, die als Juniorpartner der ÖVP in der Landesregierung vertreten ist. Auch Tirols Oppositionsparteien, Grüne und "Liste Fritz-Bürgerforum", forderten von Landeshauptmann Günther Platter Aufklärung über den Zustand der Bank.

Sie sparten auch nicht mit Kritik an Platter selbst. Platter und Hypo-Präsident Wilfried Stauder, der nun den Hut nehmen müsse, hätten die Hypo trotz Finanzspritze auf Ramschniveau heruntergewirtschaftet, war von den Oppositionellen zu hören.

Noch kurz zu der seit fast drei Jahren notverstaatlichten Hypo Alpe Adria: In die muss der Bund nach Milliarden-Zuschüssen jetzt nochmals frisches Geld (500 Millionen Euro) hineinstopfen, nachdem die Bankenaufsicht schon im Vorjahr ein größeres Kapitalloch beanstandet hat. Zusätzlich fließt - vor diesem Hintergrund - demnächst eine Milliarde Euro über eine Anleihe, die von der Republik mit Haftungen besichert wird und bald platziert sein soll, in das marode Institut. Da die Kärntner Hypo auf einem riesigen Berg fauler Kredite sitzt, (rund zehn Milliarden Euro), drohen dem Steuerzahler künftig auch hier weitere Belastungen.

Die Anleihe selbst hat Moody’s aufgrund der Staatsgarantien nun mit der Bestnote Aaa bewertet. Entsprechend dem Rating für die Republik hatten zuvor auch die anderen großen Ratingagenturen, Fitch und Standard & Poor’s, mit AAA bzw. AA+ Topnoten für den Hypo-Bond vergeben.

Der Hypo-Sektor
Im 1947 gegründeten Verband der österreichischen Landes-Hypothekenbanken sind derzeit zehn Banken vereint, die füreinander gegenseitig haften. Dies sind: Hypo Alpe-Adria-Bank, Hypo Alpe-Adria-Bank International, Hypo-Bank Burgenland, Hypo NÖ Gruppe Bank, Hypo NÖ Landesbank, Oberösterreichische Landesbank, Salzburger Landes-Hypothekenbank, Landes-Hypothekenbank Steiermark, Hypo Tirol Bank und Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank. Der Hypo-Sektor gilt seit Jahren als Sektor mit Sorgen. Seine Krisenanfälligkeit lässt sich auf drei Faktoren zurückführen: erstens die besondere Nähe zur Politik, zweitens der laxe Umgang mit Risken und drittens der Zugang zu sehr billigem Geld aufgrund der Landeshaftungen (die bei der Hypo Alpe Adria etwa noch immer sagenhafte 16 Milliarden Euro betragen). Jahrzehntelang waren die Hypos im Eigentum der Bundesländer. Mittlerweile wurden zwar Anteile abgegeben (so ging etwa die Wiener Hypo in der Zentralsparkasse und damit in der heutigen Bank Austria auf). Doch fast überall ist noch immer der Einfluss der Landespolitik zu spüren.