Zum Hauptinhalt springen

Hypo will von Ex-Managern Styrian-Millionen zurück

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Drei Personen wegen Kredit an Pleite-Airline Styrian Spirit verklagt. | Staatsanwalt sieht vor Haftprüfung Kulterers weiter alle Haftgründe gegeben. | Wien. Mit einem besonders prominenten Geschäftsfall hat die Hypo Group Alpe Adria den Reigen an Schadenersatzklagen gegen eigene Ex-Manager eröffnet: Wie die "Wiener Zeitung" erfahren hat, fordert die Kärntner Bank von drei ehemals führenden Mitarbeitern mehr als zwei Millionen Euro zurück. Das Geld hat die Österreich-Tochter der Hypo durch einen Kredit an die 2006 pleitegegangene Fluglinie Styrian Spirit verloren.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 13 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Laut Martin Reiter vom Landesgericht Klagenfurt richtet sich die Schadenersatzklage gegen drei Personen. Betroffen sind Ex-Konzernchef Wolfgang Kulterer, der ehemalige Hypo-Österreich-Chef Gert Xander und der frühere Prokurist der österreichischen Hypo-Tochter, Albin Ruhdorfer. Ihnen wird seitens der Bank vorgeworfen, den Styrian-Kredit im Herbst 2005 leichtfertig und ohne Prüfung vergeben zu haben.

Kein Kreditakt

Angeblich soll der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider die Hypo zur Finanzierung der maroden Fluglinie gedrängt haben. Praktisch zeitgleich erwarb das Land für drei Millionen Euro Anteile an Styrian Spirit. Auch dieses Geld war mit der Pleite im März 2006 dahin.

Möglicherweise haben sich die Bankverantwortlichen damals durch den Einstieg des Landes zu Unrecht in Sicherheit gewiegt. Wiederholt war in den vergangenen Wochen auch von "positiven Planrechnungen" die Rede. Auffallend ist jedoch die mangelnde Dokumentation der Kreditvergabe: Wie zu hören ist, hat es keinen Kreditakt gegeben. Deshalb konnte die Bank nicht einmal ihre Ansprüche im Konkursverfahren geltend machen.

Keiner der Geklagten war am Mittwoch für eine Stellungnahme erreichbar. Xander ist mittlerweile Vorstand der Kärntner Landesholding, Ruhdorfer ist Geschäftsführer der FKF Forst- und Gutsverwaltung GmbH. Diese gehört der Flick-Privatstiftung, in deren Vorstand bis vor kurzem unter anderem Wolfgang Kulterer gesessen ist.

Die Kreditvergabe an Styrian Spirit ist ein maßgeblicher Grund, weshalb sich Kulterer seit Mitte August in U-Haft befindet. Neben der Schadenersatzklage gibt es nämlich auch strafrechtliche Ermittlungen. Dabei geht es um den Vorwurf der Untreue - für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Anonymer Palais-Käufer

Für Kulterer steht heute, Donnerstag, die zweite Haftprüfung an. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat sich an den Haftgründen Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr nichts geändert.

Durch Schadenersatzklagen will die Hypo insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag einnehmen. Bereits geglückt ist indes ein anderer Sanierungsschritt: Die bankeigenen Büros - immerhin 765 Quadratmeter - im noblen Palais Equitable am Wiener Stock- im-Eisen-Platz wurden an einen oberösterreichischen Unternehmer verkauft. Zu Identität und Preis wollte man sich nicht äußern.