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Die Branche hat das bisher verschlafen: Ab 2005 werden schärfere Eigenmittelvorschriften den Kapitalbedarf von Versicherungen drastisch steigen lassen. Eine Folge - neben wahrscheinlich generell höheren Prämien: Lebensversicherungen werden ab 2005 anders aussehen als heute.
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Nicht nur müssen Neukunden mit immer niedrigeren Garantiezinsen rechnen. Durch die EU-weite Umstellung der Bilanzierung der Versicherungen auf IAS (International Accounting Standards) ab 2005 und die daraus resultierenden neuen strengeren Vorschriften für die Finanzkraft der Versicherungen (Solvency II) wird die Gewinnbeteiligung in der klassischen Lebensversicherung künftig stärker schwanken als bisher, sagte der Finanzvorstand der Generali Holding Vienna, Walter Steidl, vor Journalisten in Kitzbühel. Außerdem wird die zusätzliche Sicherheit Geld kosten.
"Die gesamte europäische Versicherungswirtschaft hat das Thema Solvency II verschlafen", räumte Steidl ein. Erst langsam werde man sich der Auswirkungen bewusst, aber viel werde nicht mehr zu reparieren sein. Durch die neuen Bewertungsprinzipien unter IAS müssen Versicherungen ab 2005 zum Tageswertprinzip bewerten und damit stille Reserven ausweisen. Analog zu Basel II bei den Banken werden gleichzeitig für die Versicherungen die Vorschriften für die Kapitalausstattung - spartenabhängig - verschärft. War bisher im Schnitt ein Risikokapital von 16 bis 18% des Prämienvolumens vorgeschrieben, wird sich der Bedarf ab 2005 im Schnitt auf 30% verdoppeln, schätzt Steidl; "IAS und damit das Abgehen vom Vorsichtsprinzip in Richtung kurzfristiger Darstellung wird ein großen Problem".
Auswirkungen sieht er vor allem in der Lebensversicherung. Dort wurden die Schwankungen in der Gewinnbeteiligung bisher über lange Sicht ausgeglichen. Damit konnten die Assekuranzen eine relativ kontinuierlich jährliche Ausschüttung an die Lebensversicherungskunden darstellen. Derzeit liegt die Gewinnausschüttung bei der Generali bei 4,25% bei einem Garantiezinssatz von zur Zeit noch 3,25%. Ab 1. Jänner 2004 sinkt der technische Zinssatz für Neuverträge wie berichtet generell auf 2,75%. Steidl nimmt an, dass er noch weiter sinken könnte - er geht davon aus, dass die Niedrigzinsphase lange dauern wird. Mit der Umsetzung der neuen Regelungen wird das Risiko in der Lebensversicherung zunehmend auf die Kunden abgewälzt - ähnlich wie schon jetzt im angelsächsischen Raum bzw. in der fondsgebundenen Lebensversicherung. Schlussgewinne bei Abreifen der Polizze werden bedeutender.
Auch Wolfgang Rief, Versicherungsanalyst der Ratingagentur Standard & Poors, sieht IAS und Solvency II als die großen Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft. Die adäquate Kapitalhinterlegung - nicht nur für Risiken aus den Versicherungsverträgen sondern auch für Investments, und für letztere hält S&P sogar gut 50% der Reserven für nötig - sei das "Thema der Stunde", so Rief mit Blick auf die seit zwei Jahren negative Entwicklung an den Aktienmärkten. Generell haben sich die Ratings der Versicherungsgesellschaften in den letzten Jahren deutlich verschlechtert - "man kann jetzt nicht mehr nach dem Prinzip Hoffnung arbeiten, nicht kostendeckende Prämien anbieten und darauf bauen, dass Gewinne aus den Aktienveranlagungen die technischen Verluste einzelner Sparten schon irgendwann abdecken werden." Back to the roots, ist für Generali-Chef Dietrich Karner denn auch die Schlussfolgerung der Stunde - Konzentration aufs Kerngeschäft, Abschied vom Allfinanzgedanken, weniger Shareholder-, mehr Kundennutzen. "Versicherungen und Banken sind grundverschieden". Die Ende 2002 operativ gestartete Generali Bank, im Eigentum der Generali Holding Vienna (90%) und der 3-Banken-Gruppe soll in drei Jahren Gewinne Schreiben und rund 70.000 Kunden haben, kündigte deren Vorstand für Marketing und Vertrieb, Gustav Dressler, an.
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