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Iberia und SAS versuchen sich mit radikalen Sparplänen zu retten

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Spanier fliegen pro Tag 1,7 Millionen Euro Verlust ein, SAS braucht Sofort-Kredit.


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Stockholm/Wien. Während die Fluglinien in Asien und den USA heuer ihre Gewinne wieder steigern können, spitzt sich die Krise der mit Billig-Konkurrenz und hohen Spritpreisen kämpfenden europäischen Fluglinien - trotz steigender Passagierzahlen und Umsätze - dramatisch zu. Nach der spanischen Iberia - "Wir verlieren auf allen Märkten in Summe 1,7 Millionen Euro pro Tag", so Iberia-Geschäftsführer Rafael Sanchez-Lobano - hat am Montag auch die angeschlagene teilstaatliche skandinavische Airline SAS einen radikalen Sparplan vorgelegt.

Neben der Streichung von 800 Stellen will SAS gut 15.000 Mitarbeitern Einkommenssenkungen um bis zu 17 Prozent abverlangen: "Die Existenz unseres Unternehmens hängt davon ab, dass wir in absehbarer Zeit entsprechende Tarifverträge vereinbaren", sagte Konzernchef Rickard Gustafson am Montag. Diese Einschnitte - und der Verkauf von Teilsparten wie der norwegischen Regional- und Billigflugtochter Wideroe - sollen die Kosten jährlich um umgerechnet 350 Millionen Euro senken. Den akuten Kapitalbedarf des seit 2007 in den roten Zahlen fliegenden Carriers soll ein von den drei Betreiberländern Dänemark, Norwegen und Schweden garantierter Sofort-Kredit in gleicher Höhe sichern.

Noch radikaler soll in Madrid gespart werden: Fast ein Viertel der rund 20.000 Arbeitsplätze will man abbauen, das Flugangebot - vor allem in Europa - wird um 15 Prozent gekürzt, die Flotte um 25 Maschinen verkleinert .

Die Iberia-Mutter IAG (International Airlines Group), der auch British Airways gehört, hatte zuvor für die ersten drei Quartale 2012 einen Verlust von fast 40 Millionen Euro gemeldet - nach einem Gewinn von fast 440 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Mit den Stellenstreichungen folgt IAG Beispielen aus Frankreich und Deutschland: Die französisch-niederländische Air-France-KLM will 5000 Jobs abbauen, die - vergleichsweise gut dastehende - deutsche Lufthansa kappt 3500 Stellen in der Verwaltung und lagert zahlreiche Strecken auf die Billigtochter Germanwings aus.

AUA verbessert Auslastung

Lufthansa hat im Oktober 2012 trotz der Flugausfälle nach Hurrikan "Sandy" erneut mehr Fluggäste gezählt. Einschließlich ihrer Töchter Swiss, Austrian Airlines (AUA) und Germanwings beförderte Europas größte Fluggesellschaft 9,4 Millionen Fluggäste und damit um 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Bei der AUA ging das "gezielte Schrumpfen" auch im Oktober weiter: Bei einem um mehr als 10 Prozent gekürzten Sitzplatzangebot - es wurden drei Flugzeuge weniger eingesetzt - sank die Passagierzahl nur um 1,7 Prozent, die Auslastung der Maschinen stieg um fast vier Prozentpunkte auf knapp 79 Prozent.

Emirates verdoppelt Gewinn

Die arabische Fluggesellschaft Emirates hat unterdessen ihren Gewinn im ersten Halbjahr des neuen Geschäftsjahres (per 30. September) "trotz eines weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und hoher Kerosinkosten" auf umgerechnet mehr als 364 Millionen Euro verdoppelt, wie das Unternehmen am Montag in Dubai bekanntgab.