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Ich habe schon wieder nicht im Lotto gewonnen

Von Peter Krobath

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Ich habe schon wieder nicht im Lotto gewonnen. Wodurch sich meine schlechte Laune erklären lässt. Hätte einfach nicht nachschauen sollen. Zumindest nicht schon am frühen Morgen. Klar schmeckt mir der Kaffee auch so. Aber mit ein paar Millionen Euro am Konto würde er mir noch viel besser schmecken. Ich glaube nämlich nicht, dass Geld unglücklich macht. Es macht auch nicht glücklich. Ich glaube, dass Geld egal ist. Allerdings nur, wenn man genug davon hat. Und ein Vierfach-Jackpot wäre für mich ganz und gar genug. Nicht, dass sich dadurch sonderlich viel verändern würde. Die nächste Kolumne täte ich halt im Strandbad schreiben. Welches irgendwo auf den Malediven liegt. Wenn nicht noch weiter weg. Der britische Fußball-Exzentriker George Best, der im Leben mindestens so spielfreudig gewesen ist wie am Fußballplatz, hat seine Vermögensverwaltung einmal wie folgt zusammengefasst: "Die Hälfte meines Geldes habe ich für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben,"sagte er. "Den Rest habe ich einfach verprasst."

Große Worte eines großen Mannes! Hat fast schon was mit Buddhismus zu tun. Außerdem schätze ich den Mut zur Wahrheit. Endlich einmal möchte ich einen im Fernsehen sehen, der beim Millionenrad gewinnt und auf die Frage, was er denn jetzt mit dem vielen schönen Geld zu machen gedenkt, nicht sagt: "für die Kinder sparen, das Haus abzahlen, der Oma einen Pflegeplatz besorgen," sondern: "Na ja, was werde ich damit machen? Versaufen halt."

So ein Mensch wäre mein Vorbild. Weil er sein Glück an die Kandare nimmt. Und ihm gar nicht erst das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein. Man darf das mit dem Lotto nämlich auch nicht überschätzen. Ich habe in meinem Leben schon sehr oft Glück gehabt. Nur halt leider nie im Zusammenhang mit Bargeld. Wahrscheinlich gehe ich das Ganze zu gewissenhaft an. Seit Jahren schon spiele ich dieselben Zahlen. Eine ausgeklügelte Kombination aus Geburtsdaten, Aberglaube, Autokennzeichen und Körpergewicht, die perfekt für meine Zwecke ist, allerdings auch einen nicht gerade unerheblichen Nachteil hat: Irgendwie kommen diese Zahlen nicht. Schon seit Jahren kommen sie nicht. Und das macht mich allmählich nervös. Logisch könnte ich mit dem Spielen aufhören. Aber was dann? Ich sitze vorm Fernseher, meine Zahlen kommen und ich habe kein Los gekauft? Den Nervenzusammenbruch haben selbst medizinische Fachbücher noch nicht gesehen. Weil so buddhistisch bin ich nun wieder auch nicht.