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"Ich mag sein Heimatverständnis"

Von Marina Delcheva

Politik

Van der Bellen zeigt sich zuversichtlich, dass er Präsidenten-Wahl "knapp" gewinnen kann.


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"Sascha, Sascha…" Bei seiner Abschlusskundgebung im Wiener Votivpark wird der von den Grünen unterstützte Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen von Sprechchören empfangen. Vor einer Woche kam er sogar unverhofft zu seiner eigenen Gesangskappelle. Sie heißt Hermann: "Was immer du auch bist, du bist kein Extremist… Drum kreuze für den Alexander an!" Die Gesangskombo heizt den Besuchern ein – Studenten, junge Familien mit Kindern, Menschen, deren Eltern irgendwann aus einem anderen Land nach Österreich kamen.

"Diese Wahl ist richtungsentscheidend. Sie bestimmt die Richtung Österreichs für die kommenden sechs Jahre maßgeblich", sagt Van der Bellen in seiner letzten großen Wahlkampfrede vor der Stichwahl am Sonntag und bedankt sich bei seinen Unterstützern. "Knapp aber doch, denke ich, dass wir am Sonntag vorne liegen werden", zeigte er sich schon am Vormittag vor Journalisten zuversichtlich. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen, die zahlreichen Unterstützer geben ihm das Gefühl, dass er die kommende Wahl doch noch für sich entscheiden kann.

Breite Unterstüztung

Unterstützung gab es seit dem ersten Wahlgang aus allen politischen und gesellschaftlichen Lagern. Ex-Raiffeisenmanager und Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung Christian Konrad, die ehemalige EU-Staatssekretärin und Industriemanagerin Brigitte Ederer, die im ersten Durchgang ausgeschiedene Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss, ja sogar die katholischen Frauen haben eine Wahlempfehlung für den Wirtschaftsprofessor abgegeben.

Bei der Abschlusskundgebung sind neben Grünen-Politikern auch SPÖ-Stadträte wie etwa Christian Oxonitsch anwesend. "Wir wollen keinen Bundespräsidenten, der unser Land spaltet", sagen Claudia und Fernaz. Sie trägt einen "VdB"- und einen "Öbama"-Anstecker über ihren Babybauch.

Appell an Unentschlossene

Mit 21,34 Prozent lag Van der Bellen im ersten Wahlgang deutlich hinter dem freiheitlichen Kandidaten Norbert Hofer (35,05 Prozent). Es gilt mehr als eine halbe Million Stimmen aufzuholen. Ob des vielfältigen Zuspruchs der letzten Tage, ist er dennoch optimistisch. "Ich sage es wieder: Ich hoffe, dass ich den dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer als einen der ersten in der Hofburg empfangen darf", sagte er. Er habe erlebt, wie Österreich aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurde, "in den uns der nationalistische Wahnsinn" getrieben habe. Deshalb habe er überhaupt kein Verständnis für "Austrittsfantasien".

Im Wahlkampf spielte Van der Bellen auch immer wieder mit dem Heimat-Begriff. Das gefällt auch den Brüdern Bavi Jot und Ek Jot Sandhu. "Er hat das gleiche Heimatverständnis wie ich. Unseren Eltern wurde hier ebenfalls eine neue Heimat gegeben", sagt Bavi Jot. "Es gefällt mir, dass endlich einer außerhalb der FPÖ das Wort Heimat verwendet. Österreich ist auch unsere Heimat", so Ek Jot.

Im Wahlkampf inszenierte sich Van der Bellen als Präsident aller, die in Österreich leben und, unabhängig von ihrer Herkunft. Er plädierte abermals für ein Österreich als Teil eines vereinten Europas und gegen "Austrittsfantasien". Das scheint bei einem Teil der Wähler anzukommen. In Richtung der noch Unentschlossenen sagte er: "Wenn Sie schon Vorbehalte gegen mich haben, überlegen Sie, ob ihre Vorbehalte gegenüber meinem Konkurrenten nicht doch größer sind."