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"Ich schäme mich, Griechin zu sein"

Von Lefteris Papadimas und Karolina Tagaris

Wirtschaft

Gemischte Reaktionen in Griechenland nach Freigabe der neuen Finanzspritze.


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Athen. (reu) Die Einigung auf ein neues Rettungspaket hat am Dienstag bei den Griechen gemischte Gefühle ausgelöst. "Ich bin erleichtert", sagte die Rentnerin Vasia Angelou. Die Gefahr einer Rückkehr zur alten Währung oder gar des Ausschlusses aus der Eurozone sei abgewendet. "Wir haben noch viel schlimmere Zeiten in Griechenland erlebt. Vielen Leuten ist nicht klar, dass das Leben viel härter wäre, wenn wir aus Europa geschmissen würden." Ihr bleibe die Hoffnung, dass es wenigstens ihre derzeit in Großbritannien studierenden Kinder einmal besser haben würden.

"Zum ersten Mal schäme ich mich zu sagen, dass ich Griechin bin", sagte dagegen die 70-jährige Ioulia Ioannou. "Wir sind wie Drogenabhängige, denen gerade die nächste Dosis verabreicht wurde." Darauf hätten die griechischen Politiker das Land reduziert. "Ich weiß nicht, wen ich wählen soll. Wenn jemand den Mut hätte, eine neue Partei zu gründen, würde ich für sie stimmen."

Der Obstverkäufer Raptis Michalis kritisierte, dass die Umsetzung des Pakets durch internationale Vertreter streng vor Ort überprüft werden soll. "Es ist mir als Bürger peinlich, dass wir ein ständiges Überwachungskomitee haben werden. Das ist, als ob wir in Griechenland keine gebildeten und fähigen Leute hätten, um das Land zu regieren."

"Rettung unter Bedingungen", war der Leitkommentar auf Seite eins der linksliberalen Zeitung "Ta Nea" überschrieben. Die griechische Zeitung "Demokratia", die bereits Foto-Montagen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Nazi-Uniform druckte, titelte "130 Milliarden in Ketten" in Anspielung auf das Volumen des jetzigen Rettungspakets.