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GÖD veranstaltet Betriebsversammlungen in AHS und BMHS. | Bildungsforscher Lassnigg: "Das ist ein politischer Streik." | Wien. Am Donnerstag und Freitag kann es an den allgemeinbildenden (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) zum Ausfall des Unterrichts kommen. Grund: Die AHS-Lehrergewerkschaft plant eine "Meinungsbildung zu geplanten schulorganisatorischen Änderungen". Gemeint ist die Einführung von Modellversuchen zur Neuen Mittelschule (NMS).
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In einem Schreiben der Gewerkschaft an die Eltern heißt es zur Gesetzesnovelle NMS: "Damit soll die flächendeckende Einführung der Gesamtschule in beliebig großen Modellregionen gegen den ausdrücklichen Willen der betroffenen Eltern und Lehrer möglich gemacht werden."
Das Unterrichtsministerium von Claudia Schmied verurteilt diese "Falsch- und Halbinformationen", das Schreiben komme einem "politischen Missbrauch gewerkschaftlicher Partikularinteressen" gleich.
Lassnigg: Gewerkschaft ist unprofessionell
Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien bezeichnet diese Lehreraktion als "politischen Streik". Seit wann informiere eine Gewerkschaft über Pläne der Regierung, fragt Lassnigg, noch dazu in der Begutachtungsphase eines Gesetzes? Einerseits, so der Bildungsexperte, seien die Behauptungen im Aufruf schlichtweg falsch. Was die vielzitierte Mitbestimmung der Eltern betrifft, verweist Lassnigg auf eine Reihe von Forschungsergebnissen: "Daraus sieht man, dass die Schulpartnerschaft tatsächlich gar nicht wahrgenommen wird."
Zweitens sei das Verhalten der Lehrergewerkschaft "unprofessionell". Der Wissenschafter begründet seine Beurteilung so: "Lehrer nehmen nicht wahr, was unzählige Studien belegen. Nämlich, dass die österreichische Schulstruktur mit der frühesten Trennung in Europa die sozialen Unterschiede reproduziert und verstärkt." Es gebe seit mehr als 20 Jahren klare Hinweise auf einen Reformbedarf, aber "offensichtlich ist die österreichische Lehrergewerkschaft nicht auf einem professionellen Stand, wo sie Forschungsergebnisse wahrnimmt."
Lassnigg verwirft auch das Argument der eingeschränkten Wahlfreiheit. Denn schließlich führe ja eben ein zusätzliches Schulmodell zu mehr Auswahlmöglichkeiten.
Auch aus der Gewerkschaft selbst kommt Kritik. Die Unabhängigen Gewerkschafter sprechen von einem "ideologischen Kampftag gegen die pädagogisch und sozial notwendige Reform der Mittelstufe".
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