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IEA drängt auf Atomenergie-Ausbau

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Gegenüber Öl und Gas laut Analyse Kostenvorteile. | Atomkraft dritte Säule neben Effizienz und Erneuerbaren. | Paris/Wien. Einmal im Jahr veröffentlicht die Internationale Energieagentur (IEA) den Word Energy Outlook. Dabei handelt es sich um eine umfassende, langfristige Prognose für die Energie-Entwicklung der Welt.


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Noch ist der Inhalt des diesjährigen Berichts, der kommenden Dienstag vorgestellt werden soll, geheim. Nach Aussagen des Chefökonomen der IEA, Fatih Birol, dürfte er aber einiges an Diskussionen auslösen. Denn zum ersten Mal in ihrer 32-jährigen Geschichte wird die IEA ihren Mitgliedsländern einen Ausbau der Kernenergie empfehlen.

"Rasche Entscheidung"

Die Kernkraft spiele in Zukunft eine Schlüsselrolle, sagt Birol, "zum einen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zum anderen aus Gründen des Klimaschutzes." Man brauche eine rasche Entscheidung für den Ausbau, bevor es beim Klima kein Zurück mehr gebe.

Laut Birol wird die IEA ihren Mitgliedern für die künftige Energiepolitik eine Drei-Säulen-Strategie vorschlagen. An erster Stelle steht die Verbesserung der Energieeffizienz. An zweiter Stelle steht die Vergrößerung des Anteils erneuerbarer Energien, insbesondere Biotreibstoff und Windenergie. Und drittens wird die IEA erstmals Atomkraft als "wesentliches Hilfsmittel" befürworten.

Einigen Mitgliedsstaaten wird die IEA mit dem letzten Vorschlag wohl keine Freude machen. In Österreich ist Atomenergie per Verfassung verboten; in Deutschland streitet die rot-schwarze Koalition gerade über den unter der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft. Die CDU will die Atomkraft beibehalten, die SPD ist dagegen. Auch in Italien und Spanien gibt es starke Widerstände gegen einen Ausbau der Kernenergie. Andere IEA-Mitgliedsländer - etwa Großbritannien oder Frankreich - schmieden hingegen gerade Pläne zum Bau neuer Atomkraftwerke.

Die IEA kommt in ihrer Analyse zum Schluss, dass die Atomkraft Kostenvorteile gegenüber Kohle und Gas bietet. Darüber hinaus würde sie angesichts der Gaskrise im letzten Winter die Versorgungssicherheit erhöhen. Europa bezieht den Großteil seines Gases aus Russland; Uran für das Betreiben von Kernkraftwerken käme jedoch aus Ländern wie Australien, Afrika oder Nordamerika.

Wettbewerbsfähig?

Laut Birol ist Atomkraft unter den heutigen Marktbedingungen wettbewerbsfähig und werde es auch bleiben. Unter Experten ist das allerdings umstritten.

So kam im Jahr 2003 eine Studie des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zum Ergebnis, dass sich in einem liberalisierten Strommarkt der Bau neuer Atomkraftwerke nur mit um fassenden Staatsgarantien rechnet.

Die IEA