Zum Hauptinhalt springen

Ignorieren oder aufklären

Von Rüdiger Linhart

Gastkommentare
Rüdiger Linhart ist Berufsgruppensprecher IT in der Wirtschaftskammer Wien.
© Michael Weinwurm

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche wird zunehmend dringlicher.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 2 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Das Schlagwort Fachkräftemangel wird schon seit Jahren immer wieder in den Mund genommen. Strategien, diesen zu bekämpfen gibt es viele - aber Erfolge brauchen Unterstützung auf vielen Ebenen. Es gilt, umfassend zu informieren und die Zielgruppe so früh wie möglich ins Boot zu holen.

Was für eine Lehrausbildung spricht. Die Lehre ist eine gute Möglichkeit, ins Berufsleben zu starten. Man erlernt einen Beruf in der Praxis und erhält parallel dazu fachtheoretisches Wissen in einer schulischen Ausbildung. International wird Österreich um seine Lehrlingsausbildung beneidet. Denn die duale Berufsausbildung - im Betrieb und in der Berufsschule - ist ziemlich einzigartig.

Trotzdem gibt es bezüglich Angebot und Nachfrage rund um Lehrstellen Diskrepanzen. Die Wirtschaft beklagt seit Jahren einen zunehmenden Fachkräftemangel. Das begründet sich nicht nur mit dem demografischen Wandel. Die Lehre hat in vielen Kreisen - nicht zuletzt auch bei Eltern, Jugendlichen und in der Gesellschaft an sich - ein Imageproblem. Auch in der IT-Branche ist die Situation kritisch: Von einem Ansturm auf die IT-Lehre ist sie meilenweit entfernt.

Die Lehre muss stärker als das wahrgenommen werden, was sie ist - nämlich als ein interessanter Ausbildungsweg mit spannenden Karriere- und Verdienstchancen. Zugänge zur IT-Lehre gibt es auf verschiedenen Wegen: ob als klassische Fachlehre mit Spezialisierung auf Applikationsentwicklung, Hard- oder Softwaretechnik, als Lehre mit Matura oder als verkürzte Lehre im Anschluss an die Matura.

Neben der Lehre gibt es noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten für Interessierte, in die IT zu kommen: HTL-Schulbesuch mit Informatik-Schwerpunkt, IT-Studium an einer Fachhochschule oder Uni oder Absolvieren einer der Programmierschulen und -institute für Coding- und IT-Talente, in denen entsprechende Skills und Projektmanagement vermittelt werden und Job-Coaching meist inkludiert ist. Eine umfassende Ausbildungsdatenbank mit Übersicht zu IT-Ausbildungen in Österreich ist derzeit im Entstehen.

Derzeit fehlen österreichweit rund 24.000 Fachkräfte in der IT. Wie schafft es die Branche, trotz Vorbehalten gegen Lehre und Fachkräftemangel, Nachwuchs zu generieren? Zielführende Ansätze sind transparente Kommunikation, Aufklärung und Informationsoffensiven. Und erste Erfolge zeichnen sich ab: Die Zahl der IT-Lehrlinge ist in Wien im vergangenen Jahr gestiegen. In den IT-Berufen Applikationsentwicklung/Coding und IT-Technik bilden die Wiener Betriebe aktuell 227 Lehrlinge beziehungsweise 543 Lehrlinge aus. 239 davon haben ihre Ausbildung vorigen Herbst begonnen.

Für Jobs in der IT sind natürlich nicht nur Burschen geeignet. Ganz wichtig im Rahmen der Information ist es, auch Mädchen und Frauen - frühzeitig - anzusprechen. Denn angesichts der fehlenden Fachkräfte sollten alle verfügbaren Potenziale, die der IT-Branche zu Verfügung stehen, aktiviert werden. Mit einer Ausbildung in der IT sind Mädchen wie Burschen am Puls der Zeit und haben ausgezeichnete Job- und Karrierechancen - in einer wachsenden und zukunftsträchtigen Branche.