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Ihr Recht beim Frühjahrs-Sport

Von Dr. Armin Bammer

Wirtschaft

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche - und sportliche Menschen wechseln vom klimatisierten Fitnessklub ins Freie, in einen nur scheinbar rechtsfreien Raum: Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen für sportliche Outdoor-Aktivitäten sind dichter und komplizierter, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Einige Beispiele:

Wo ist das Radfahren erlaubt?

Auf Straßen mit öffentlichem Verkehr (ausgenommen sind natürlich Autobahnen etc). Ob darunter auch Wanderwege, Forststraßen und ähnliches zu verstehen sind, richtet sich letztlich nach der konkreten Widmung: Forststraßen und Waldwege sind Straßen mit öffentlichem Verkehr, sofern sie nicht gegen das allgemeine Begehen effektiv gesperrt sind. Nach dem Forstgesetz sind sie allerdings grundsätzlich nur für den Fußgängerverkehr bestimmt - die Straßenverkehrsordnung gilt aber vor allem dann, wenn der Grundeigentümer die Straße auch für den Fahrzeugverkehr freigegeben hat (z.B. eben für Fahrräder).

Unbefugtes Fahren auf Waldwegen kann sowohl zivil- als auch verwaltungsstrafrechtliche Folgen haben, etwa eine Besitzstörungsklage des Grundeigentümers und eine Verwaltungsstrafe nach dem Forstgesetz. Die zivilrechtliche Haftung des Straßenerhalters für deren schlechten Zustand entfällt, wenn der Schaden bei einer unerlaubten, vor allem widmungswidrigen Benützung entstanden ist (z.B. Befahren trotz Fahrverbotstafel - dies ist aber umstritten).

Sport und Hund

Vor allem Beine von Läufern üben auf manche Hunde eine geradezu magnetische Anziehungskraft aus. Hundehaltung unterliegt weiterhin (auch) landesgesetzlichen Vorschriften: In Wien etwa müssen Hunde an öffentlichen Orten und den meisten frei zugänglichen Flächen entweder einen Maulkorb tragen oder an der Leine geführt werden; in Parkanlagen herrscht grundsätzlich Leinenzwang.

Parkanlagen, Grünflächen etc. können aber zu entsprechend beschilderten "Hundezonen" erklärt werden, wo diese Verbote nicht gelten. Verstöße können Verwaltungsstrafen bis 14.000 Euro nach sich ziehen. Wird ein Hund rechtswidrig gehalten (z.B. nicht angeleint), haftet der Hundehalter aber jedenfalls auch zivilrechtlich für daraus resultierende Schäden.

Rollschuhfahrer und Inline-Skater

Das Rollschuhfahren und Inline-Skaten ist auf Gehsteigen, Gehwegen und Schutzwegen erlaubt, nicht jedoch auf Fahrbahnen in Längsrichtung. Von diesem Verbot sind aber Radfahranlagen im Ortsgebiet, Wohnstraßen, Fußgängerzonen und Spielstraßen ausgenommen. Für bestimmte Fahrbahnen kann das Befahren durch eine Verordnung gestattet werden. Wenn Inline-Skater Radfahranlagen benützen, müssen sie die Fahrtrichtung und die für Radfahrer geltenden Vorschriften einhalten. Außerdem dürfen sie die Radfahrer weder gefährden noch behindern.

Rechtliches Outdoor-Dickicht

Die konkrete Rechtslage lässt sich auch für die Spezialisten oft nur schwer ermitteln oder muss letztlich ausjudiziert werden. Problematisch ist vor allem das Aufeinanderprallen verschiedener Freizeit-Welten an besonders beliebten Orten: Eltern von kleinen Kindern, Hundeliebhaber und Mountain-Biker haben nun einmal völlig unterschiedliche Vorstellungen von Freizeitvergnügen. Hier ist die Kompromissbereitschaft der Beteiligten ebenso gefragt wie klare Nutzungs-Widmungen seitens der Behörden und Grundeigentümer.

Gegen unliebsame Folgen von Outdoor-Aktivitäten hilft auch eine private Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man am Ende nicht nur einen verursachten Schaden, sondern auch sämtliche Gerichts- und Rechtsanwaltskosten zur Gänze selbst zu tragen hat.