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Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Von Gerhard Hain

Wirtschaft

Die US-Amerikaner sind lösungsorientiert, aufgeschlossen und kontaktfreudig. Schon harmlose Komplimente und Berührungen können aber als sexuelle Belästigung interpretiert werden.


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Die meisten Bewohner der USA oder ihre Vorfahren sind auf der Flucht vor Verfolgung, der Suche nach Freiheit oder besseren Chancen eingewandert, von den Pilgrim Fathers vor fast 400 Jahren bis zu den Kubanern und Mexikanern in unserer Zeit. Davon kommt bei vielen der feste Glaube an das Recht jedes Einzelnen auf den "pursuit of happiness" und eine tiefe Skepsis gegen staatliche Bevormundung. Einerseits ist das Streben nach Leistung und Erfolg, nach Effizienz und Schnelligkeit weit verbreitet, andererseits soll eine informelle Höflichkeit Kontakte erleichtern.

"Ich werde oft gefragt, wie es mir geht, aber im Grunde interessiert sich niemand für meine Antwort" - eine typische Bemerkung von Österreichern, die mit US-Amerikanern in Kontakt treten. Gleich heißt es, die Amerikaner seien oberflächlich. Dass dieses schnelle Urteil allerdings auf unterschiedliche Kommunikationsweisen zurückzuführen ist, dass bei der Frage "How are you?" bei Amerikanern ein Grundprinzip des zwischenmenschlichen Umgangs greift, wird anfangs nicht erkannt.

Selbst bei augenscheinlichen Ähnlichkeiten sind internationale Geschäftskontakte oft geprägt von Missverständnissen. Kommunikative Kompetenz, kulturelles Hintergrundwissen und interkulturelle Handlungskompetenz sind für den Geschäftserfolg und die Arbeit im interkulturellen Kontakt entscheidend.

Statt über Politik besser über Sport sprechen

Die meisten US-Amerikaner sind aufgeschlossen, kontaktfreudig und interessiert, freundschaftliche Beziehungen sind jedoch wegen der tendenziell mobilen und pragmatischen Lebensweise oft kürzer und auf bestimmte Situationen, gemeinsame Projekte oder Lebensabschnitte begrenzt. Vermeiden Sie kontroverse Themen (zum Beispiel die Todesstrafe) oder kritische Anmerkungen zur Innen- oder Außenpolitik der USA, auch über Religion, Sexualität oder Krankheiten sollten lieber nicht angesprochen werden. Sport, vor allem Baseball oder American Football, Autos oder die regionale Herkunft der Gesprächspartner eignen sich hingegen hervorragend, um ins Gespräch zu kommen.

Die amerikanische Gesellschaft ist prinzipiell sehr zukunftsorientiert, mit einer optimistischen Grundeinstellung. Eingehende Problemanalysen sind hier fehl am Platz, stattdessen stehen rasche Reaktionsfähigkeit und eine Behebung des Problems im Vordergrund. Es wird eher ein lösungsorientiertes Verhalten angestrebt. Vereinfachungen und Kreativität, Zuversicht, Visionen und Gelassenheit sind viel wichtiger als das Klären von Grundsatzfragen.

Im Unterschied zu Österreich reicht man sich in den USA nur selten Hand, eigentlich nur zur Begrüßung und beim Vertragsabschluss. Gleichgeschlechtlich ist ein gelegentliches Schulterklopfen durchaus üblich, aber Männer sollten sich gegenüber Frauen sehr zurückhaltend verhalten. Schon ein harmlos gemeintes Kompliment, geringe Berührungen oder genaueres Mustern können als sexuelle Belästigung interpretiert werden. Frauen ihrerseits sollten sich immer klassisch kleiden, am besten mit einem Kostüm oder Hosenanzug in dunklen Farben, Grau, Weiß oder Creme.

Denken Sie daran, dass das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit streng verboten ist, auch Rauchen ist an vielen öffentlichen Orten strafbar. Zum Schluss noch ein Hinweis: Das Servierpersonal hat in den Vereinigten Staaten kein festes Einkommen, sondern lebt von den Trinkgeldern, also geben Sie reichlich, mindestens 15, besser 20 Prozent des Rechnungsbetrages.

Gerhard Hain ist Managing Partner der Unternehmensberatung ti communication Dr. Fischhof GmbH in Wien. www.ticommunication.eu E-Mail: wien@ticommunication.eu