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Im Ring mit den IT-Giganten

Von Stefan Meisterle

Wirtschaft
Millionen von PC-Anwendern kennen die typische rote Katze im IrfanView-Logo. Das Bildbearbeitungsprogramm ist nach seinem Erfinder Irfan Skiljan, einem gebürtigen Bosnier, benannt. Fotos:irfanview

Aus einem Studentenprojekt wurde ein millionenfach genutztes PC-Werkzeug.


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Wiener Neustadt. Microsoft, Google und Adobe: Es sind nicht gerade Leichtgewichte auf dem Weltmarkt, zu denen Irfan Skiljan Tag für Tag in den Ring steigt. Und doch bietet der niederösterreichisch-bosnische Kleinstunternehmer der internationalen Konkurrenz mit seinem Bildanzeigeprogramm IrfanView seit mehr als einem Jahrzehnt die Stirn. Das Geheimnis seines Erfolgs: Schlichtheit, Benutzerfreundlichkeit - und ein Geschäftsmodell, das auf kostenlose Nutzung setzt.

Alles begann im Jahr 1996 an der Technischen Universität (TU) in Wien. "Damals gab es nicht hunderte Bildbetrachter und Bildprogramme wie heute. Es fehlte an einfachen und schnellen Tools", erinnert sich Skiljan an die Anfänge von IrfanView. "Aus Spaß", wie der Informatiker betont, bastelte er kurzerhand noch in Studienzeiten sein eigenes Programm, um ein Werkzeug zum Anzeigen und Bearbeiten von Bildern am Computer zur Verfügung zu haben. Das kleine und doch leistungsfähige Programm überzeugte Freunde und Studienkollegen rasch. "Sie waren sehr zufrieden und wollten immer mehr Features haben", meint Skiljan, der diesen Wünschen nachkam und damit das Projekt IrfanView offiziell aus der Taufe hob.

Von Anfang an verfolgte der Austro-Bosnier bei der Weiterentwicklung von IrfanView eine klare Linie: "Das Programm ist klein, kompakt, schnell, stabil und einfach. Das ist für mich die Vorstellung, wie gute Software aussehen muss: kein Schnick-Schnack und keine Monster, die Unmengen an Platz und Speicher fressen", so Skiljan. In Zeiten, in denen PC-Anwender mit Betriebssystemen zu tun hatten, die mit jedem zusätzlich installierten Programm langsamer und fehlerhafter arbeiteten, traf IrfanView den Nerv von Millionen von Nutzern weltweit. Vor allem aber wusste IrfanView mit einem Argument zu überzeugen: Es stand und steht Privatanwendern kostenlos zur Verfügung. "Eine Software, die man täglich braucht und verwendet, sollte weder groß, noch kompliziert, noch teuer sein. Besonders für private Nutzer", erklärt Skiljan seine Entscheidung für ein - auf privater Basis - kostenloses Vertriebsmodell.

Private Werbung und geschäftliche Einkünfte

Um ungeachtet dessen sein Projekt unter dem Dach eines Ein-Personen-Unternehmens weiterentwickeln zu können, machte Skiljan IrfanView zugleich für Firmenkunden kostenpflichtig. Der Informatiker bediente damit einerseits die wachsende private Nutzerschaft kostenlos mit Produktneuerungen, um gleichzeitig von den Einnahmen, die er bei Firmenkunden lukrierte, leben zu können. Dass dieses Modell funktioniert, führt Skiljan nicht zuletzt auf das Netz zurück: "Das Internet eröffnet ganz neue Möglichkeiten: Mit dem Netz und kostenlosen Services kann man auf verschiedene Arten Geld verdienen. Man erreicht viel mehr Leute - und damit auch potenzielle Kunden - als mit konventionellen Vertriebsmodellen", so der IrfanView-Entwickler.

So avancierte das Projekt im Laufe der Jahre zu einem der beliebtesten Gratis-Programme. Monatlich verzeichnet die IrfanView-Webseite über eine Million Downloads, die exakte Zahl dürfte angesichts einer Vielzahl von nicht fassbaren Download-Seiten sogar noch deutlich darüber liegen. Der Idee, sein Unternehmen zu einem größeren Softwarehaus auszubauen, kann Skiljan freilich nicht viel abgewinnen. "Hier gibt es nicht so viel, was man zu einer großen Firma aufblähen könnte. Da müsste man weitere Produkte aus dem Bildbereich entwickeln, die dann vermutlich kostenpflichtig wären - damit haben dann nicht alle sehr viel Freude", so der Austro-Bosnier.

Zufrieden als Kleinstunternehmer

Stattdessen gibt er sich mit dem Erfolg seines Kleinstunternehmens zufrieden. Denn selbst das wäre ja keine Selbstverständlichkeit, wie er betont. Neben Qualität und Zuverlässigkeit, die für ein Bestehen im globalen Wettbewerb unerlässlich wären, sei schließlich auch eine Portion Ausdauer erforderlich. "Man muss geduldig sein, ein Durchbruch kommt nicht nach wenigen Tagen", erinnert sich Skiljan an den langen Weg, den er bis zum kommerziellen Erfolg seines Produktes gehen musste.

Dass seine Erfolgsgeschichte ein Einzelfall wäre, ist dabei keineswegs gesagt. "Ich glaube, dass Österreich eine sehr gute und moderne IT-Branche hat. Die Ausbildung ist gut und es gibt sehr viele talentierte Leute", streut Skiljan seiner Zunft Rosen. Von seiner Ausbildung dürfte Skiljan jedenfalls noch länger profitieren. Denn zu tun gibt es immer genug: "Die Liste mit den Wünschen der Benutzer und meinen eigenen Ideen ist sehr lang, immer wieder müssen Sachen optimiert und angepasst werden", so Skiljan. Schließlich gilt es, mit den internationalen Mitbewerbern Schritt zu halten. Auch und gerade als Kleinstunternehmer.