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Im Ruhestand für Exzentriker

Von Christina Böck

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Es gab eine Zeit, da war der Inbegriff des Unorthodoxen in einer Spitalsserie ein Dr. Gonzo Gates in "Chefarzt Trapper John". Der lebte auf dem Krankenhaus-Parkplatz in einem Wohnmobil und hatte lustig bunte OP-Hauben auf. Doch die Zeiten änderten sich. Fernsehautoren machten es sich zum Sport, möglichst unkonventionelle Ärzte zu erfinden: Seriöse Weißkittel waren etwas für das Nachmittagsprogramm. Wer nicht mindestens wie ein Doug Ross (George Clooneys Durchbruchsrolle in "Emergency Room") eine vollwertige Sexsucht vorweisen konnte, fiel in die Kategorie "Gibt’s-halt-auch-gähn".

Seinen Höhepunkt fand dieser Trend bei "Dr. House" (freitags, 21.10 Uhr auf Puls4). Der ist Spezialist für so ziemlich alle surrealen Krankheiten, die man im dicksten Pschyrembel nicht findet. Dr. House ist aber auch ein grantiger Kotzbrocken, was kein Wunder ist, ist er ja selbst medikamentenabhängig. Patienten von House mussten sich nicht nur vor einer exzentrischen Diagnose mit sehr wahrscheinlicher Todesfolge fürchten, ihnen konnte es schon einmal passieren, dass er sie anspuckte. Er landete dafür auch in der Psychiatrie und sogar im Gefängnis. Diese Ordination wird jetzt aber zugesperrt: Nach acht Staffeln ist Schluss mit der Sprechstunde. Und das folgt wiederum einem anderen Trend: Die große Zeit der ganz besonders verhaltensauffälligen Helden ist leider offenbar vorbei. Der so beruhigend neurotische Monk wurde schließlich auch schon in Pension geschickt.