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Im Wedel-Kurs Richtung Osten

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Wer eine Ostsprache lernt, hat gute Chancen, diese im Urlaub zu praktizieren, auch wenn er in der Heimat bleibt. Russen, Polen, Tschechen und Kroaten haben Österreich als Urlaubsland entdeckt und wedeln begeistert über die Skipisten. Ein Trend, der nicht nur Touristiker erfreut, sondern auch die Skiindustrie erkennt ihre Chancen auf diesen Märkten.


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"Osteuropa ist ein Wachstumsmarkt - das gilt für alle Konsumartikel, also auch für Ski", erklärt Alexander Schmied, Experte für Skiindustrie vom Fachverband der Holzindustrie der Wirtschaftskammer Österreich. "Die Kaufkraft steigt und damit auch die Investitionen in die Freizeit". Nicht nur die Anzahl der Touristen aus Zentral- und Osteuropa nehme daher zu, sondern auch ihre Ausgaben für die Wintersportausrüstung, erläutert Schmied im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Laut Statistik Austria sind die Ski-Exporte von Österreich in die EU im ersten Halbjahr 2003 um 12,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. In die Länder Osteuropas wurden hingegen um 11,1% mehr Skier geliefert. Die Konkurrenz von Skiproduzenten im Osten halte sich in Grenzen, dafür hätten aber auch österreichische Firmen Produktionsstandorte in Tschechien, Bulgarien oder der Ukraine.

Das Wachstum am Weltmarkt ist jedenfalls gering: Die Schätzung für den weltweiten Jahresabsatz liegt laut Fischer-Ski bei 4,3 nach 4,2 Millionen Paar Alpinski. Allein Fischer hat für das laufende Geschäftsjahr (bis Ende Februar 2004) einen Absatz von 1,37 Millionen Paar Ski (darunter 590.000 Paar Langlaufski) geplant. Während die Märkte in Japan und Korea seit Jahren rückläufig sind setzt Fischer vor allem bei Langlaufskiern auf die wachsenden Märkte in Russland und den anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion.

Auch der Skiproduzent Blizzard verkauft seine Produkte verstärkt in die Reformstaaten Mittel- und Osteuropas. In der Tschechischen Republik hat der Hersteller nach eigenen Angaben mit 20.000 verkauften Paar Ski bereits die Marktführerschaft.

Kneissl will sich nach seinem Neustart im September vergangenen Jahres vorerst auf die Hauptabsatzländer Deutschland, Schweiz und Österreich konzentrieren, erklärt Kneissl-Geschäftsführer Klaus Brandstätter. Auch die Ostmärkte wären natürlich interessant, aber vorerst liege der Fokus vorallem auf dem Tiroler Markt - Sitz und Produktionsstandort von Kneissl: "Im Tiroler Raum gibt es jährlich 4,5 Millionen Wintertouristen - wenn davon 500.000 Kneissl-Ski kaufen würden wären wir schon sehr zufrieden".