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Immer mehr AHS mit Kurssystem

Von Brigitte Pechar

Politik

Schmied freut sich über 15 AHS mit modularerOberstufe. | Zukunftsmusik: Kurssystem in allen AHS-Oberstufen. | Wien. Ab Montag müssen zwischen 30.000 und 35.000 Schüler eine Nachprüfung ablegen. Die von der früheren Bildungsministerin Elisabeth Gehrer eingesetzte Zukunftskommission hat schon 2005 in ihrem Endbericht zur Bildungsreform vorgeschlagen, das Sitzenbleiben zu verringern. Eine Wiederholung ist für den Schulexperten, Österreichs Mister Pisa, Günter Haider "eine weitgehend sinnlose Übung".


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Nicht-Pädagogen halten Klassenwiederholungen auch aus ökonomischen Gründen für bedenklich. Einerseits kommen die Jugendlichen ein Jahr später in den Arbeitsprozess, andererseits blättern die Eltern für Nachhilfe pro Jahr 140 Millionen Euro - mehr als die Hälfte davon in den Ferien - auf den Tisch. Alleine für den Staat belaufen sich die Kosten, die durch Klassenwiederholungen entstehen, auf 300 Millionen jährlich.

Für die Volks- und Hauptschulen, hat die Zukunftskommission Förderpläne entwickelt, um zu weniger Repetenten zu kommen. In den AHS-Oberstufen würde die flächendeckende Einführung eines Kurssystems - eine modulare Oberstufe - Abhilfe schaffen. Denn dieses regelt den Schulablauf in Semestern. Eine negative Beurteilung in einem Fach hätte daher im schlechtesten Fall die Wiederholung eines Semesters zur Folge.

Alleine in den AHS-Oberstufen treten auch heuer wieder etwa 11.000 Jugendliche zur Wiederholungsprüfung an. Davon schaffen erfahrungsgemäß nur rund 6500 einen positiven Abschluss.

SPÖ und ÖVP haben sich im Regierungsprogramm dazu bekannt, die Zahl der Wiederholungsprüfungen zu reduzieren: "Das Wiederholen von Schulstufen soll durch pädagogische sowie organisatorische Maßnahmen so weit wie möglich verhindert werden."

Unterrichtsministerin Claudia Schmied freut sich daher, dass die modulare Oberstufe österreichweit ab dem heurigen Schuljahr bereits an 15 AHS im Schulversuch erprobt wird. "Diese Schulen leisten Pionierarbeit. Speziell in Wien sammeln wir dadurch sehr wichtige Erfahrungen", sagt Schmied zur "Wiener Zeitung". Sie betont, dass das Kurssystem auch im Regierungsprogramm als Vorhaben festgehalten ist. Die Ministerin strebt an, das Kursmodell zum Regelsystem zu machen.

Wissen: Die Modulare Oberstufe

In der Modularen Oberstufe werden die Schuljahre in Semester mit eigenen Abschlusszeugnissen aufgeteilt. Der Unterricht findet mit Basis- und Wahlmodulen statt.

Die Basismodule müssen von allen Schülern belegt werden und umfassen etwa 80 Prozent aller Fächer. In diesen Modulen bleibt daher auch der Klassenverband der Schüler erhalten. Die restlichen 20 Prozent können von den Schülern selbst gewählt werden. Pro Modul legt die Schule eine bestimmte Semesterstundenanzahl fest.

Je nach Schulen werden in den Wahlmodulen vertiefende und spezielle Fragestellungen zu Basisfächern angeboten. Etwa ein Kurs über den "Lebensraum Gebirge". Dieser kann dann sowohl für Biologie als auch für Geografie angerechnet werden.

Schüler können am Anfang eines Semesters zeigen, dass sie die im so genannten Modul-Kursbuch angeführten Lehrinhalte bereits beherrschen. Danach brauchen sie das Modul nicht zu absolvieren. Umgekehrt müssen die Schüler bei einem "Fünfer" im Zeugnis nicht mehr das ganze Jahr wiederholen, sondern nur das jeweilige Modul.

Maximal zwei Module dürfen repetiert werden. Sind es mehr, so können zwei wiederholt werden, und bis zu drei weitere könnten außerhalb des Klassenverbandes in der darunter liegenden Schulstufe nachgeholt werden.