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Immer weniger billiges Geld für Unternehmen?

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Banken weisen OeNB-Studie zurück. | Wirtschaft drängt auf Finanzierung von Investitionen. | Wien. Dafür, dass diese Studie auf einer Umfrage in der Bankenbranche beruht, ist sie innerhalb derselben auffallend umstritten: Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am Freitag Österreich-Ergebnisse einer - gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank vierteljährlich durchgeführten - Befragung über das Kreditgeschäft in der Eurozone veröffentlicht. Fazit: Durch die internationale Finanzkrise werden Kredite für Firmenkunden immer teurer. Darüber hinaus gehen Banken selektiver bei der Kreditvergabe vor.


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Im zweiten Quartal seien zum vierten Mal in Folge die Richtlinien für die Vergabe von Unternehmenskrediten - wegen einer vorsichtigeren Risikoeinschätzung - etwas verschärft worden. Darüber hinaus wären die Zinsspannen für risikoreichere Kredite und - etwas abgeschwächt - auch für Kreditnehmer durchschnittlicher Bonität angehoben worden.

Bei Robert Gruber, Vize-Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, stößt dies auf Unverständnis: Es habe sich "überhaupt nichts" verändert. Lediglich bei manchen Krediten mit längerer Laufzeit versuche man vorsichtig, die gestiegenen Refinanzierungskosten weiterzugeben. Banken können sich derzeit wegen der Finanzkrise selbst nur Geld zu höheren Zinssätzen leihen. Gruber rechnet damit, dass die Krise "nicht ewig dauern" wird. Bis die Kosten wieder sinken, wolle man aber versuchen, bestehende Kundenbeziehungen nicht zu gefährden.

Kosten selbst schlucken

Ins selbe Horn stößt Walter Schmidt, Leiter des Firmenkundenbereichs in der Erste Bank: Gerade im Geschäft mit Klein- und Mittelbetrieben gebe es einen intensiven Konkurrenzkampf. Deshalb seien Banken sehr darauf bedacht, die Refinanzierungskosten nicht unmittelbar weiterzugeben. An die von der OeNB geortete Zurückhaltung wegen vorsichtigerer Risikoeinschätzungen glaubt Schmidt nicht.

Seitens der Wirtschaftskammer sieht man derzeit noch "kein großes Problem". Sollte die Konjunktur aber schlechter werden, erwarte man sich weiterhin die Unterstützung der Banken bei der Finanzierung von Investitionen.