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Nicht zuletzt der Flugverkehr erleichterte die Verbreitung.
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Wien. Der gefürchtete und gegen viele Antibiotika resistente Krankenhauskeim Clostridium difficile - verantwortlich für lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen - ist ein Immigrant aus Nordamerika. Vor rund zehn Jahren entwickelte er dort seine immense Widerstandsfähigkeit.
Die resistente Form geht allerdings entgegen bisherigen Annahmen nicht auf einen, sondern auf zwei Stämme zurück, die sich kurz hintereinander bildeten. Wie Wissenschafter im Fachblatt "Nature Genetics" berichten, stammt einer aus Pittsburgh und einer etwas weiter nördlich, möglicherweise sogar aus Kanada.
"Die schnelle Ausbreitung von Clostridium difficile demonstriert, wie eng die Gesundheitssysteme weltweit miteinander verknüpft sind", schreiben Miao He vom Wellcome Trust Sanger Institute im britischen Hinxton und seine Kollegen. Am Genmuster sei auch deutlich zu erkennen, wie problemlos und rasant sich die beiden Stämme dann über den Atlantik nach Europa verbreitet hätten. Beim gesunden Menschen ist Clostridium difficile ein harmloses Darmbakterium, das zwei bis vier Prozent der Bevölkerung unbemerkt mit sich tragen. Gefährlich wird es allerdings, wenn die Darmflora etwa durch Infektionen oder einer Antibiotikabehandlung aus dem Gleichgewicht gerät, also konkurrierende Arten zurückgedrängt werden. Durch das Bakterium produzierte Gifte können zu einer lebensbedrohlichen Durchfallerkrankung führen. Die Gifte verursachen eine Zerstörung der Darmzellen sowie eine Störung der Salzaufnahme im Darm, was zu einem großen Verlust von Flüssigkeit und Salzen führt.
20 bis 40 Prozent der Krankenhauspatienten sind damit besiedelt. Die Sporen sind im Stuhl enthalten. Mangelnde Hygiene ist die Voraussetzung für eine Ansteckung. Die besonders schnelle Ausbreitung erkläre sich auch dadurch, dass Clostridium difficile eben sehr widerstandsfähige, hochansteckende Sporen bildet, erklären die Forscher.
"Das Bakterium hat sich in den vergangenen zehn Jahren rapide zur Hauptursache für durch Antibiotika ausgelöste Durchfallerkrankungen entwickelt", berichten die Forscher. Nicht zuletzt der internationale Flugverkehr erleichterte die Verbreitung der Keime. Einer der beiden resistenten Stämme, FQR1, sei direkt von den USA aus nach Südkorea und in die Schweiz eingeschleppt worden. Der zweite Stamm, FQR2, sei viermal unabhängig voneinander nach Europa gelangt und später dann über einen Überträger auch nach Australien.
Gezielt und kontrolliert
Für ihre Studien hatten die Forscher 151 Proben des Bakteriums, die zwischen 1985 und 2010 Patienten weltweit entnommen worden waren, genetisch analysiert. Beide Stämme hätten unabhängig voneinander Genveränderungen entwickelt, die sie unempfindlich gegenüber den Fluorchinolonen, einer bestimmten Antibiotikagruppe, machten. Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre waren Fluorchinolone die in den USA am häufigsten verschriebene Antibiotikaklasse.
Der Einsatz von Antibiotika sollte daher nicht leichtfertig und vorbeugend erfolgen. Nur eine gezielte und kontrollierte Verabreichung sowie eingehaltene Hygienerichtlinien können eine Verbreitung vor allem in Krankenhäusern und Altersheimen eindämmen.

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