Zum Hauptinhalt springen

In den Ferien schuften statt ins Bad

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft

"Echte" Ferialarbeiter von Praktikanten zu unterscheiden. | Sonderregelung für das Hotel- und Gastgewerbe. | Wien. Endlich Sommerferien! Lange schlafen, am Nachmittag ins Freibad und am Abend spät ins Bett gehen - so sieht der ideale Tagesablauf für so manchen Jugendlichen aus. Für viele Schüler und Studenten läutet der Wecker aber auch nach Semesterende. Sie schlichten Regale in Supermärkten ein, verkaufen Eis und Hot Dogs, tragen Post aus oder erledigen Sekretariatsarbeiten. Bei aller Freude darüber, einen Ferienjob ergattert zu haben, sollten einige Dinge vorab mit dem Arbeitgeber abgeklärt werden, um Missverständnisse auszuräumen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Ganz "normale"Arbeitnehmer

Ferialarbeiter beziehungsweise -angestellte müssen sozial- und arbeitsrechtlich genauso behandelt werden wie alle anderen Arbeitnehmer auch. Das heißt: Es steht ihnen die Bezahlung nach Kollektivvertrag oder - falls es keinen KV in der jeweiligen Branche gibt - ein angemessenes Entgelt zu. Sofern die Geringfügigkeitsgrenze (366,33 Euro) überschritten wird, unterliegen sie der Vollversicherung (Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung). Überstunden müssen abgegolten werden, auch anteiliges Urlaubs- und Weihnachtsgeld steht den Ferienjobbern zu, informiert die Arbeiterkammer (AK). In einer schriftlichen Lohnabrechnung sollten alle diese Posten angeführt sein. Geklärt werden sollten auch Arbeitszeit, Arbeitsort und Art der Tätigkeit.

Post beschäftigt 1400 Urlaubsersatzkräfte

Nach wie vor beliebt sind Ferienjobs bei der Post. Dort kommen in den Monaten Juli bis September österreichweit zwischen 1300 und 1400 sogenannte "Urlaubsersatzkräfte" zum Einsatz.

Für 40 Stunden Dienst in einem Postamt werden 830 Euro Monatslohn gezahlt, Briefträger verdienen inklusive Zulagen etwa 1000 Euro brutto, sagt Post-Pressesprecher Michael Homola. Gefordert wird ein Mindestalter von 18 Jahren.

Ebenfalls 1000 Euro bekommen Studenten in der Allianz-Versicherung. Schüler werden mit 850 Euro brutto entlohnt. Das Unternehmen nimmt heuer im Sommer etwa 150 junge Damen und Herren auf. Bei der Stadt Wien richtet sich die Entlohnung in den Ferien nach dem Ausbildungsstand und beträgt maximal 763,06 Euro.

Wer eine Arbeitnehmerveranlagung durchführt, bekommt normalerweise im Folgejahr die Lohnsteuer teils oder zur Gänze zurück.

Vordergründig um die Ausbildung und weniger ums Geldverdienen geht es bei jungen Menschen, die im Sommer Pflichtpraktika absolvieren. Diese müssen zum Beispiel von Schülern Technischer Fachschulen und Höherer Schulen (HTL), Höherer Schulen für wirtschaftliche Berufe, Fachschulen und Höherer Schulen für Mode und Bekleidungstechnik abgeleistet werden. Während ihrer Tätigkeit sind Ferialpraktikanten unfallversichert. Ob ein Entgelt bezahlt wird oder nicht, obliegt der freien Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. Der Ferialpraktikant darf jedenfalls nicht als Vertretung für einen anderen Arbeitnehmer eingesetzt werden und ist nicht weisungsgebunden.

Für Ferialpraktikanten im Hotel- und Gastgewerbe besteht jedoch eine Sonderregelung. Sie sind sozialversicherungsrechtlich als Dienstnehmer zu melden, die Entlohnung erfolgt nach dem Kollektivvertrag. Auch bei den Arbeitszeiten gibt es hier Ausnahmen. So dürfen Jugendliche im Hotel- und Gastgewerbe über 16 Jahren bis 23 Uhr und auch an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, während grundsätzlich zwischen 20 Uhr und 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ein Beschäftigungsverbot für Jugendliche besteht.

Besser vorherübers Geld reden

Egal, ob "normaler" Ferienarbeiter oder Pflichtpraktikant: Wer in den Ferien arbeiten will, sollte mit dem künftigen Arbeitgeber die wichtigsten Eckpunkte abklären. Auch wenn es manchen schwer fällt - etwa über die Entlohnung vorher zu reden, erspart nachher Enttäuschungen oder gar den Gang zum Gericht. "Zu uns kommen jedes Jahr im Sommer junge Leute, die zu wenig oder gar kein Geld gekriegt haben oder denen Überstunden nicht bezahlt wurden", berichtet Gabriele Indinger von der Arbeiterkammer Salzburg.

Viele Arbeitgeber würden "normale" Ferialjobber mit Pflichtpraktikantenlöhnen abspeisen oder wie Volontäre behandeln, die keinen Anspruch auf ein Entgelt haben. Die Arbeiterkammer rät jedenfalls allen Jugendlichen, Arbeitsaufzeichnungen zu führen.