Zum Hauptinhalt springen

In den Schuhen des Schumachers

Von Christoph Rella

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Man muss sagen: Tina Maze hat sich gesteigert. Es brauchte zwar drei bis vier Anläufe, bis die Slowenin heuer erstmals eine Kristallkugel abholen konnte, dass es allerdings gleich drei Stück (Gesamtweltcup, Super G und Riesentorlauf) sein würden, damit hat wohl vor drei Monaten kaum jemand gerechnet. Genau genommen sind es, wenn man die Kombination als eigene Disziplin miteinbezieht (für die es keine eigene Kristallkugel mehr gibt), sogar deren vier.

Bei insgesamt sechs Wertungen ist das schon eine ungewöhnliche Leistung. Vor allem wenn man bedenkt, dass die 29-Jährige auch im Abfahrts- und Slalomweltcup Zweite wurde - und das nur wenige Punkte hinter den US-Amerikanerinnen Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin.

Man fühlt sich angesichts einer solchen Homogenität bald an das Phänomen Michael Schumacher erinnert, der als Rennfahrer über Jahre einen Stockerlplatz nach dem anderen belegt und einen Rekord nach dem anderen gebrochen hatte. Wie bemerkenswert diese Erfolge für ihn, seinen Stall und Fans auch waren, so hatten sie aber auch eine negative Seite: Die One-Man-Show wurde vielen Zusehern und Sportbegeisterten langsam aber sicher zu fad.

Wenn das Beispiel Mazes Schule macht und wir in Zukunft nur noch die Slowenin jubeln sehen, könnte dasselbe auch dem alpinen Skisport blühen. Was nutzt es, alles zu gewinnen, wenn sich dafür der Rest der Welt vor den TV-Geräten zu Tode gähnt?