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Der Motor, mit dem Rudolf Diesel 1900 auf der Pariser Weltausstellung für Furore sorgte, wurde nicht mit einem fossilen Treibstoff, sondern mit Erdnussöl betrieben. Heute gibt es wieder Initiativen, den Pflanzenölmotor salonfähig zu machen. Eine davon rüstet im Waldviertel herkömmliche Motoren so um, dass sie mit puren Pflanzenölen betankt werden können.
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"Es gibt keinen effizienteren Treibstoff als natürliches Pflanzenöl", ist sich Gerhard Zinner, Geschäftsführer der Waldland GesmbH sicher. Die von ihm geleitete Vermarktungsfirma, die sich die Stärkung der Bauernschaft im Waldviertel zum Ziel gesetzt hat, rüstet seit rund zwei Jahren Dieselautos für den Betrieb mit Pflanzenölen um.
Dies geschieht in Partnerschaft mit der deutschen VWP (Vereinigte Werkstätten für Pflanzenöltechnologie). Für Zinner liegen die Vorteile des Treibstoffes Pflanzenöl auf der Hand: Die Abhängigkeit von ausländischen Produzenten fällt weg, die großen Russpartikel sind im Gegensatz zu jenen im fossilen Diesel nicht lungengängig, der Flammpunkt liegt mit 230 Grad Celsius wesentlich höher als bei Diesel und "wenn es auf die Erde rinnt, schädigt es die Umwelt nicht". Außerdem soll es im Gegensatz zu Biodiesel zu keinem Leistungsverlust gegenüber fossilem Diesel kommen.
Auch für Motoren geeignet
Getankt werden kann in jedem beliebigen Verhältnis von Pflanzenöl und fossilem Diesel. "Das hat auch den Vorteil, dass man bei einer Urlaubsreise nach Italien den Kofferraum nicht mit Pflanzenöl anfüllen muss", feixt Zinner.
Die meisten Öle (auch Leindotter- und Sonnenblumenöle) seien geeignet, sie müssten jedoch über eine konstante Qualität verfügen, was Altspeiseöle für diese Anwendungen untauglich mache. Auch sollte das Öl rein sein und einen geringen Wassergehalt aufweisen. Trotz der Vorteile kann die Waldland-VWP noch keinen wirklichen Ansturm auf ihre Dienstleistung vermelden: Bisher wurden erst rund 60 Autos umgerüstet.
Noch zu unbekannt
Die Gründe dafür sieht Zinner unter anderem in der bisher mangelnden Bekanntheit und der bis vor kurzen bestehenden geringen Preisdifferenz zwischen Diesel und Rapsöl, das um den konstanten Preis von 68 Cent pro Liter den Kunden in Palettentanks nach Hause zugestellt wird. Die Umrüstpreise belaufen sich inklusive Mehrwertsteuer in einer Spanne von 3.651 (VW Golf) bis 6.059 Euro (VW Transporter Caravelle mit 110 kW), wobei noch für einige Dutzend Autobesitzer Förderungen von 50 Prozent vergeben werden.
Zinner nennt die Vorteile einer Umrüstung aus Profihand: "Wir schauen uns den Motor an, ob eine Umrüstung wirtschaftlich sinnvoll ist und übernehmen selbst die Garantie bei Motorschäden, die auf den Betrieb von Pflanzenöl zurückzuführen sind. Darüber hinaus wird die Umrüstung in den Fahrzeugpapieren eingetragen und ist somit behördlich genehmigt." Zu wesentlich billigeren Preisen werden hingegen von einigen Anbietern in Deutschland Pflanzenöl-Umrüstsätze für Motoren angeboten.
Moderner Pflanzenölmotor
Als Pionier des "modernen" Pflanzenölmotors gilt der deutsche Ludwig Elsbett, der bei den Junkers-Flugzeugwerken und beim Lkw-Hersteller MAN führend in der Motorenentwicklung tätig war.
1964 machte er sich selbstständig und konnte im Rahmen seiner Tätigkeit in der Motorenentwicklung rund 400 Patente anmelden. Bereits in den 70er-Jahren entwickelte Elsbett den bis damals für unmöglich gehaltenen TDI-Motor, also den Einspritzmotor für Dieselfahrzeuge, der erst viele Jahre später von den Automobilkonzernen als "Hightech-Innovation" aufgegriffen wurde.
Seit den späten 70er-Jahren widmete sich Elsbett ganz der Entwicklung des Pflanzenölmotors, mit dem er sich allerdings bei den etablierten Autoherstellern und Erdölkonzernen die Zähne ausbiss.
Altspeiseöl zum Nulltarif
Dass dem Tüftlergeist keine Grenzen gesetzt sind, zeigt das Beispiel des Berliner Taxifahrers Rene Günther: In sein Bio-Taxi tankt er hauptsächlich Altspeiseöl, das er gratis von verschiedenen Restaurants bezieht. Um das Öl zu reinigen baute er eine kleine Raffinerie mit einer Zentrifuge, in der die Schwebstoffe vom Öl getrennt werden. "Wenn man Sorgfalt walten lässt und das Material gründlichst filtert, ist dies für die Umwelt vorteilhafter als handelsübliche Pflanzenöle und schadet dem Auto nicht", erklärt Günther.
Auch in Wien wird Altspeiseöl zur Herstellung von Biodiesel gesammelt. Seit Jänner 2003 wird der WÖLI (Wiener Ölsammelkübel) an allen 19 Mistplätzen und bei den 56 Problemstoffsammelstellen gratis ausgegeben. Dieser soll dann befüllt mit Frittier- und Bratfett, Ölen eingelegter Speisen und verdorbenem Fett wieder zur Ausgabestelle gebracht werden. Damit soll verhindert werden, dass Speiseöle im Ausguss landen. n
Weitere Informationen unter http://www.pflanzenoel-motor.at/ .
http://www.wien.gv.at/ma48/
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