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In der Hitze der Kärntner Küche

Von Walter Hämmerle

Analysen

Gaby Schaunig zerbrach an Haider und eigener Partei. | Konzept eines Anti-Haider-Modells gescheitert. | Politiker treten in Österreich grundsätzlich nicht freiwillig zurück. Und die es vordergründig doch tun, verschleiern damit zumeist nur ihre wahren Beweggründe. So lautet zumindest ein gängiges Urteil.


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Am Dienstag hat nun - völlig überraschend - Kärntens SPÖ-Landesvorsitzende und stellvertretende Landeshauptfrau Gaby Schaunig das Handtuch geworfen. Ihre Begründung kommt politischen Beobachtern reichlich spanisch vor: "Ich bin nicht mehr bereit, in der Umgebung Jörg Haiders und seines Umfeldes tätig zu sein."

Ein Rücktritt wegen Stilfragen? Da muss es doch noch anderes geben. Prompt berichteten Medien, Neo-SPÖ-Chef Werner Faymann habe Schaunig zur Aufgabe gedrängt, weil Umfragen ihr bei den Landtagswahlen im März 2009 gegen Haider keine Chancen einräumen würden.

Hartes Pflaster

Ein US-amerikanisches Sprichwort besagt: "If you can´t stand the heat, get out of the kitchen." Will heißen: Wer die Härten des politischen Geschäfts nicht aushält, sollte lieber die Finger davon lassen. Und die Hitze in der Kärntner Polit-Küche ist tatsächlich groß. Haider liefert sich seit Jahren mit dem jeweiligen SPÖ-Landeschef eine beinharte Auseinandersetzung, die auch vor Privatem nicht zurückschreckt. Bei den Landtagswahlen kämpft er wieder einmal um sein politisches Überleben - ein Unterfangen, das mit der von ihm selbst initiierten Spaltung der Freiheitlichen nicht leichter geworden ist.

Haiders Verhältnis zu Schaunig, die 2005 gegen ihn in den Ring stieg, war von Anfang an von beiden Seiten auf Konfrontation angelegt: Die zierliche, mittlerweile 43-jährige SPÖ-Frontfrau sollte Haider den Landeshauptmannsessel entreißen und für die SPÖ zurückerobern. Dieses Projekt ist nun Geschichte.

Anfangs brachte die ruhige Schaunig den weit emotionaleren Haider durchaus in Verlegenheit. "Schaunig war eine der wenigen, die Haider wirklich zusetzen konnten, sie hat ihn mehr als nur einmal in Rage versetzt", analysiert die Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle von der Universität Klagenfurt das Duell der beiden ungleichen Politiker.

In der Auseinandersetzung, die von beiden Seiten mit einiger Härte geführt wurde, zog der Politprofi Haider aber alle Register. Und im Gegensatz zu Schaunig konnte sich er sicher sein, dass seine Partei absolut geschlossen hinter ihm stand. Bei der Kärntner SPÖ hingegen zählen interne Streitigkeiten seit zwanzig Jahren zum bevorzugten Zeitvertreib.

Das bekam auch Schaunig von Anfang an zu spüren: Schon beim Amtsantritt musste sie sich gegen vier Konkurrenten durchsetzen. Später dann fielen die roten Bürgermeister der Chefin in der Ortstafelfrage in den Rücken. Und schließlich war da noch die Auseinandersetzung mit der SPÖ-Klagenfurt, als Schaunig ihre gesamte Autorität aufbieten musste, um den der Wahlmanipulation verdächtigen Stadtparteichef zum Rücktritt zu bewegen. Diese letzte Krise der SPÖ bezeichnet auch Stainer-Hämmerle als Wendepunkt für die langjährige Sozialreferentin Schaunig: "Davon hat sie sich nie mehr richtig erholt."

Schaunig geriet zusehends in die Defensive - und auch wenn ihr niemand die Spitzenkandidatur für die Wahlen streitig gemacht hätte, begann ihr Stern zu sinken. Haider nutzte jeden Ausrutscher gnadenlos aus. Besonders gut gelang ihm dies Anfang Juli, als Schaunig die eigene Sozialkompetenz schwer beschädigte, indem sie einem Behindertenheim die Subventionen streichen wollte. Haider und die Betroffenen selbst kampagnisierten mit großem medialen Echo das Thema - und Schaunig musste einlenken. Der Imageschaden war dennoch groß.

Mit dem Rücktritt ist auch der Versuch der SPÖ gescheitert, Haider durch die Präsentation eines absoluten Gegenmodells zu entzaubern: Mit Schaunig sollte eine junge Frau die traditionell weit rechts stehende Landespartei vom Liebäugeln mit nationalem Gedankengut befreien und auf einen gemäßigt links-liberalen Kurs führen. Bleibt die Frage, ob sich auf diese Weise in Kärnten Mehrheiten mobilisieren lassen. Dass die Antwort auf diese Frage ausbleibt, ist nicht allein Haiders Verdienst. Die eigene Partei hat kräftig mitgeholfen, Schaunigs Abgang zu beschleunigen.

Nun soll Landesrat Reinhart Rohr, für Umwelt und Gemeinden zuständig, die angeschlagene SPÖ in den Wahlkampf gegen Haider führen. Haider dürfte im März leichtes Spiel haben.

Neues SPÖ-Team

Rohr hat noch am Mittwoch sein neues Team präsentiert: Wolfgang Schantl scheidet wie Schaunig aus der Regierung aus. Die Neuen sind der bisherige Klubchef Peter Kaiser und dessen Vize Nicole Cernic.

analyse@wienerzeitung.at