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Im Silicon Valley lebt der amerikanische Traum noch. Mit Donald Trump und dessen Apokalypse-Darstellungen können die wenigsten Tech-Giganten etwas anfangen -vielmehr machen sie sich Sorgen, was seine Präsidentschaft bedeuten könnte.
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San Francisco. Obwohl man den Menschen im Silicon Valley nachsagt, besonders liberal zu sein und viele Spinnereien zu tolerieren, für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump kann man sich im Technologiezentrum an der US-Westküste aber trotz aller Offenheit nicht erwärmen. Bei der Wahl wird er hier keine signifikante Stimmenzahl erhalten, genau so wie er hier kaum Gelder für seinen Wahlkampf lukrieren konnte. Vielmehr ist es umgekehrt - wer sich hier mit Trump verbündet, zieht den Zorn der Kreativen auf sich.
So geschehen mit Peter Thiel. Der deutsch-stämmige Starinvestor hat sein Vermögen vor allem mit dem Bezahldienst PayPal und frühen Investitionen in Facebook gemacht. Er warb erst mit einer Rede am Nominierungsparteitag der Republikaner für Trump und gewährte dem Kandidaten später eine Millionenspende. Damit machte sich Thiel zum Außenseiter im Tal. Er erklärte diese Woche vor Journalisten: "Wir stimmen für Trump, weil wir die Führung unseres Landes als gescheitert ansehen." Die Insider in Washington würden die negativen Folgen dieser Führung zwar genauso wenig spüren wie die Bewohner des Technologietals südlich von San Francisco. Doch die Blase platze, sobald man diese Grenzen verlasse.
Ein eigenes Biotop
In der Tat leben die "Techies", wie die Mitarbeiter der Tech-Firmen genannt werden, zwischen San Francisco und San Jose weitgehend in ihrer eigenen, schönen, neuen Welt. Sie sitzen auf Designerstühlen, haben direkt am Campus ihrer Firma hippe Kantinen mit veganem und glutenfreien Essen, nehmen ihre Haustiere mit und müssen den durchgestylten Arbeitsplatz nicht verlassen, um zum Frisör oder zum Sport zu gehen, denn alles ist da. Ihre Gedanken werden so freigespielt, damit sich diese ungestört um ein Ziel drehen können: den nächsten großen Technologiesprung, der am besten disruptiv ist, also alles auf den Kopf stellt. Gelingt so ein Durchbruch, sind sie gemachte Leute. "Hier im Valley lebt der amerikanische Traum weiter", sagt Ethan Baron, Technologie-Redakteur für "The Mercury News" in San Jose. "Die Wut, die Donald Trump dort abgreift, wo der amerikanische Traum nicht mehr erfüllbar ist, gibt es hier nicht", sagt Baron. Die Wirtschaft boome, die Gehälter seien absurd hoch, und die Menschen hier hätten keine Angst vor illegalen Immigranten. "Hier gibt es nicht viel, das junge Techies in die Arme einer Person treibt, die die Apokalypse über uns hereinbrechen sieht. Silicon Valley ist kein fruchtbarer Boden für Trumpismus."
Was nicht heißt, dass nicht der Trumpismus an sich und eine mögliche Präsidentschaft des Republikaners bei den Menschen im Valley Unbehagen auslöst. "Viele der großen Firmen hier verlassen sich auf andere Länder, um hochqualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, oder als Absatzmärkte und manchmal auch, um von den billigen Löhnen dort zu profitieren", sagt Baron. Die Trump’sche Vision, die USA wirtschaftlich abzuschotten, mache vielen hier Angst.
Die Sorgen der Firmen sind nicht unberechtigt. Weite Teile von Trumps Wirtschaftsagenda zielen auf Großkonzerne ab. Zölle für Importe aus Billiglohnländern würden die Produkte verteuern. Aber das alleine könnte nicht alles sein: Die Konzerne sollen dazu gezwungen werden, die Produktion wieder in die USA zurückzuverlegen. Womit die iPhones, GoPros und Apple-Computer wohl nur mehr schwerlich kompetitiv sein würden und die Kunden massenhaft zur Konkurrenz abwandern. Erst heuer wurde in Kalifornien ein Gesetz beschlossen, das den Mindestlohn in dem Bundesstaat bis 2022 auf 15 Dollar in der Stunde anhebt. Es gibt zwar noch einige Bundesstaaten, in denen acht oder neun Dollar die Stunde die Norm sind. Aber in zahlreichen States sind sukzessive Mindestlohnanhebungen vorgesehen - und ohnehin ist dies noch um ein Vielfaches höher als in China oder Vietnam.
Gleichzeitig hat Trump bereits angekündigt, dass die Tech-Riesen "Probleme haben werden", sollte er Präsident werden. Dem Kandidaten, der selbst seine Steuererklärungen bis heute nicht veröffentlicht hat, missfällt die Steuerpraxis von Facebook, Google oder Amazon. Die Konzerne versteuern einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland.
So verwundert es kaum, dass sich die Tech-Giganten auf die Seite von Trumps Rivalin Hillary Clinton geschlagen habe. Amazon-Chef Jeff Bezos hat seine Präferenz für die Demokratin deutlich gemacht, ebenso Apple-CEO Tim Cook und Sheryl Sandberg von Facebook. Wie durch eine neue Wikileaks-Veröffentlichung von E-Mails von Clintons Kampagnenchef John Podesta hervorgeht, gab es von Eric Schmidt, Chef von Alphabet (vormals Google) nicht nur öffentliche und monetäre Unterstützung, sondern er bot sich dem Clinton-Team auch als "Chef-Außenberater" für die Wahlkampagne an. Wahlspenden flossen an Clinton und die Demokraten auch von Gründern und Eigentümern von LinkedIn, Airbnb, Netflix oder Salesforce. Laut dem Spendentracker Crowdpac konnte die Demokratin 15 Millionen Dollar an Spenden aus der Technologiebranche generieren, während die Branche vergleichsweise mickrige 700.000 Dollar für Trump lockermachte (noch ohne Thiel-Spende).
Vielleicht ist Donald Trump aber auch nicht gut auf die Tech-Branche zu sprechen, weil die Technologierevolution der vergangen 15 Jahre zwar den Firmen Milliardengewinne beschert hat, der Boom aber insgesamt verhältnismäßig wenige Arbeitsplätze schafft (oder gar wegdigitalisiert). Der Konzern Alphabet und Facebook gemeinsam hatten Ende des Vorjahres 74.505 Mitarbeiter, ungefähr ein Drittel weniger als Microsoft - obwohl ihr Marktwert an der Börse doppelt so groß ist. Der Foto-Dienst Instagram hatte bei seiner Übernahme durch Facebook im Jahr 2012 für eine Milliarde Dollar 13 Angestellte.
Im Laufschritt in die Zukunft
"Die Amerikaner hatten größere wirtschaftliche Vorteile von all den großartigen neuen Maschinen und Firmen erwartet", schrieb die "Washington Post" kürzlich. Stattdessen wurde die Schere zwischen den Habenden und Nicht-Habenden größer.
Im Silicon Valley aber, so scheint es, hat man wenig Zeit für Reflexion und Selbstkritik - denn es geht ständig im Laufschritt Richtung Zukunft. Während die meisten im Tech-Mekka dem scheidenden Präsidenten Barack Obama zwar keine Pro-Business-Einstellung nachsagen, auf jeden Fall aber eine Pro-Innovations-Haltung zugutehalten, können sich hier die wenigsten vorstellen, wie sich ein Donald Trump für die Branche interessiert und auf dem Fahrrad am Google Campus herumkurvt.
Dabei, sagt Nick Garner, Venture Capitalist in San Francisco, fänden manche Ideen wie weniger Regulierung (man könnte hier boshaft auch Misstrauen gegenüber den Fähigkeiten von Frauen einfügen, ein mit Trump geteilter Wesenszug, der im Tal gesund und munter ist), auch im Valley Unterstützung. "Sein Verhalten ist aber derart erratisch, dass er hier vor allem als wandelndes Pulverfass gesehen wird", sagt der 58-Jährige, dessen Fonds in knapp 60 Start-ups investiert ist. Jetzt bleibe zu hoffen, dass das Tal nicht alleine ist im Land mit dieser Meinung. "Möge uns dieser Knall erspart bleiben."

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