)
Ein Stempel aufs Bargeld würde für die Rückkehr zur alten Währung reichen.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Wien. Das Szenario scheint doch noch abgewendet. Aber was wäre, wenn die Griechen tatsächlich zu ihrer alten Währung zurückkehren? Sie müssten wohl wieder mit dem Kopfrechnen beginnen: Für 340,75 griechische Drachmen bekamen die Hellenen beim Euro-Beitritt eine Ein-Euro-Gemeinschaftsmünze. Sollten alle Stricke reißen, könnte der Umtausch in Gegenrichtung erfolgen.
"Rein technisch ist die Umstellung relativ einfach. Innerhalb einer Nacht werden alle greifbaren Euro-Banknoten mit einem Drachme-Stempel versehen. Nur diese Scheine gelten dann als offizielles Zahlungsmittel. Umgerechnet wird zum gleichen Wechselkurs, zu dem die Griechen einst eingestiegen sind. Die neuen Banknoten würden dann sukzessive eingeführt", erklärt der Währungsexperte Franz Hahn vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo.
Um zu verhindern, dass die Griechen die Banken stürmen, um ihre Euro-Ersparnisse abzuheben und die Institute pleitegehen, müsste der Staat "klug reagieren": Für die Zeit der Umstellung könnten Bankfeiertage eingeführt, Konten und Bankomaten gesperrt werden. Zur Sicherheit sei auch Militär-Präsenz vor den Finanzinstituten vorstellbar, sagt Hahn. Er betont freilich, dass das gesamte Szenario einer Zwangskonvertierung gleichkommen und für massiven Unfrieden im Volk sorgen würde.
Noch größere Revolten könnte in späterer Folge eine marktbedingte massive Abwertung der Drachme auslösen, von der die meisten Ökonomen ausgehen. Die neue-alte Währung würde Experten zufolge um mindestens 50 Prozent zum Euro abwerten. Die Staatsschulden blieben in Euro bestehen. Da die Drachme aber weniger wert wäre, würde die Rückzahlung deutlich teurer.
Staatsanleihen konvertieren
Befürworter der griechischen Euro-Auszeit wenden diesbezüglich jedoch ein: Rund 95 Prozent der griechischen Staatsanleihen seien nach griechischem Recht emittiert worden. Das Parlament habe deshalb prinzipiell die Möglichkeit, die Währung der Staatsanleihen per Gesetz zu ändern - sprich ebenfalls in Drachmen umzuwandeln. Zu erwarten wäre laut Experten ein weiterer deutlicher Kursrutsch der Drachme, was die Gläubiger Griechenlands, nicht jedoch den griechischen Staat belasten würde. Mit einer eigenen Währung und Geldpolitik könnte das Land wesentlich einfacher seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Je günstiger die Drachme gegenüber dem Euro, desto leichter könnten griechische Firmen ihre Produkte exportieren. "Wenn Griechenland aus dem Euro austräte, könnte es abwerten und wettbewerbsfähig werden", erklärt Hans-Werner Sinn vom deutschen Ifo-Institut. "Wenn Griechenland den Euro behält und seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht, indem es die Löhne und Preise im erforderlichen Maß von 20 bis 30 Prozent kürzt, geriete das Land an den Rand eines Bürgerkriegs."
)
)
)
)