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In Kürze liegt nicht immer Würze

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Sicher, Roger Federer hätte es nach 2:0-Satzvorsprung gegen Stan Wawrinka im Australian-Open-Halbfinale auch einfacher haben können, und besser wurde das innerschweizer Duell mit Fortdauer der Partie auch nicht, ehe Federer nach 3:05 Stunden als 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3-Sieger feststand. Zwei Punkte also für Martina Navrátilová: Die hatte nämlich in Melbourne für eine Verkürzung der Herren-Spiele bei Grand-Slam-Turnieren von drei auf zwei Gewinnsätze plädiert. Durch die Länge - verbunden mit den kurzen Erholungsphasen zwischen den Spielen - leide einerseits langfristig die Gesundheit, andererseits auch die Qualität, weil die Spieler müde werden und nicht über die gesamte Dauer voll fokussiert seien, sagte die 56-Jährige zu "The Tennis Space". Zudem könnte man mit diesem Schritt die Diskussion über das gleiche Preisgeld bei Damen und Herren ein für allemal beenden.

Navrátilová ist nicht irgendwer, sie hat 18 Grand-Slam-Turniere gewonnen und gilt als Ikone des Sports, die sich immer wieder mit Gedanken über dessen Entwicklung zu Wort meldet. In vielen Punkten muss man ihr Recht geben, zumal die Aufmerksamkeitsspanne vieler junger Konsumenten kürzer wird, das Tennis - wie viele andere Sportarten auch - also schon seit geraumer Zeit Formate sucht, um die Zuschauer bei Laune zu halten. Die Verkürzung des Doppels mit dem Champions-Tie-Break hat sich bewährt, auch das Blitzturnier Tie-Break-Tens, das im Herbst in Wien die gelungene Ouvertüre zum Erste-Bank-Open gab, kam gut an. Doch Geschichten wie jene des Spiels Federer gegen Wawrinka, die mehrmals an der Kippe stehen, bei denen die Dramaturgie die Fehler verzeihen lässt, schreiben eben nur die Fünfsätzer bei Grand-Slam-Turnieren. Sie voreilig abzuschaffen, würde wohl wenig Anklang finden. Wagner-Opern haben ja auch ihr Publikum.