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"In zehn Jahren bei den Weltbesten "

Von Stefan Beig und Heiner Boberski

Politik

Zeilinger: "Kooperation zweier Bundesländer wäre ideal." | Manche Unis "haben Hausaufgaben noch nicht gemacht". | "Wiener Zeitung":Herr Professor, war die ursprüngliche Bezeichnung "Elite-Uni" für das Projekt, das jetzt unter dem Arbeitstitel "Austrian Institute of Advanced Science and Technology" (Aist) geplant wird, nicht missverständlich, da es keine Uni im klassischen Sinn ist?


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Anton Zeilinger: Ich habe das Projekt unter dem Titel "Exzellenz-Uni" gestartet und war - abgesehen von den üblichen Neidreflexen - überrascht, wie viele positive Reaktionen ich bekommen habe. Den Namen "Universität" halte ich für gerechtfertigt. Schauen Sie nur, was unter diesem Titel an sämtlichen Privatunis Österreichs angeboten wird.

Zum Standort: Haben Sie eine Wien-Präferenz?

Nein. Das hat die Politik zu entscheiden.

Vier Bundesländer bewerben sich. Schließen Sie irgendeinen Standort aus?

Ich schließe nichts aus, sonst hätte ich nicht mit allen gesprochen. Letztlich wird es eine politische Entscheidung sein. Ich bin auch eingebunden. Ein Bericht wird mir und anderen zur Bewertung vorgelegt werden. Persönlich halte ich die Wien-Niederösterreich-Idee für fast ideal, weil da zwei Bundesländer miteinander zusammenarbeiten.

Lockt nicht Wien mehr Personen an als die Provinz?

Die Frage ist: Womit bekomme ich gute Leute? Erstens durch gute Arbeitsmöglichkeiten, denn solche Menschen gehen vor Energie über und wollen ohne Bürokratie viel machen. Zweitens durch Lebensqualität. Für den einen ist die Großstadt wichtig. Ich zähle mich dazu. Andere wollen weg von der Großstadt. Notwendig ist, dass der Campus in sich abgeschlossen ist. Die Menschen müssen dort leben und wohnen. Der AKH-Campus ist ganz gut, aber da lebt keiner.

Was halten Sie vom Vorschlag Gugging bei Wien?

Das ist sicher kein schlechtes Angebot. Aber ein gemeinsames Modell, etwa von Wien und Niederösterreich, wäre mir lieber.

Gibt es ein Vorbild für das Aist, etwa das israelische Weizmann-Institut?

Das Weizmann-Institut ist Vorbild Nummer eins. Es hat genau das, was das Aist bieten soll: eine postgraduale Ausbildung und Forschung. Außerdem sucht es zuerst gute Köpfe. In Europa macht man oft den Fehler, jemanden zu holen, um ein bestimmtes Fach zu besetzen, selbst wenn es dort keine erstklassigen Persönlichkeiten gibt. Diesen Fehler macht das Weizmann-Institut nicht, auch das Aist soll ihn nicht machen.

Es wird gerade bei den Unis viel gespart. Wäre es nicht vernünftiger, das Geld in andere Unis zu stecken?

Solche Argumente entstehen aus einem Neidkomplex oder aus mangelnder Kenntnis der Ausstattung unserer Unis. Ich wage zu behaupten, dass unsere Unis nicht schlecht ausgestattet sind. Einige haben halt noch nicht ihre Hausaufgaben gemacht. Sie dürfen ihre finanziellen Ressourcen nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilen, sondern müssen auf Qualifikation achten. Dann würde es ihnen finanziell viel besser gehen.

Kann man den Nutzen des Aist der breiten Öffentlichkeit transparent machen?

Was hat die Öffentlichkeit von den Wiener Philharmonikern oder von Hermann Maier? Die Umwegrentabilität der Wiener Philharmoniker ist nicht schlecht, aber rein finanziell bringt eine Elite-Uni viel mehr. Spin-off-Firmen, die im Umfeld einer solchen Institution entstehen, schaffen manchmal mehr als eine Million Arbeitsplätze. Das kann man sonst nie erreichen. Das einzige Problem ist die Langfristigkeit. Optimistisch gesehen dauert es zehn Jahre, realistisch 20 Jahre, bis man zu guten Resultaten kommt.

Ist es dann nicht sehr schwierig, private Geldgeber zu bekommen?

Einige Personen im Bereich der Industrie verstehen den Nutzen sehr gut, weil sie langfristig denken. Manche Unternehmer denken zu kurzfristig und glauben, sie könnten der Uni Vorschriften machen, was sie tun soll. Nur langfristig schaut bei der Spitzenforschung viel raus. Es ist ein Spiel, und ich weiß nicht, wer morgen gewinnt. Die Frage ist: Will Österreich mitspielen? Es ist eine enorme Chance. Es wäre schade, wenn wir sie nicht nützen.

Sind die bisher genannten Kosten realistisch?

Die Schätzungen (Anmerkung: siehe Kasten unten) vom Wissenschaftszentrum Wien sind sehr gut . Der ehemalige Präsident des Weizmann-Instituts Haim Hariri sagt, dass wir mit diesem Geld in zehn Jahren zu den besten Institutionen weltweit gehören werden.

In welchen Bereichen sehen Sie besonders gute Chancen auf Erfolg?

Zum ersten ist klar, dass heute keiner die technologischen Trends in 20 Jahren kennt. Am Aist wird es Mathematik, Physik, Chemie, Bio- und Informationswissenschaft geben. Was Konkreteres zu sagen, wäre jetzt falsch. Heute weiß niemand, was die Technologie der Zukunft sein wird. Eines ist sicher: Manche werden sich blöd verdienen. *

Gibt es schon Kontakt zu Personen, die Sie haben wollen? Es heißt, es werden Nobelpreisträger kommen . . .

Im Berater-Team, das über die Auswahl der Projekte entscheidet, wird es Nobelpreisträger geben, sonst nicht. Wir suchen junge Leute. Der Ansatz des Aist ist es, Spitzenleute zu bekommen, die unter 40, wenn nicht unter 35 Jahre alt sind. Die sollen an einem einzigen Campus eng zusammenarbeiten. Es ist wichtig, dass sich Forscher, Doktoranden und Diplomanden permanent über den Weg laufen und in Kontakt miteinander sind.

Natürlich wird es auch eine ganz klare Leistungsbeurteilung geben! Wer hier ist, muss sich dauernd bewähren. Wettbewerb ist die wichtigste Eigenschaft einer solchen Institution.

Werden Sie Präsident des Aist?

Nein, auf keinen Fall. Das habe ich von Anfang an ausgeschlossen. Ich kann viel mehr für das Projekt tun, wenn ich zum beratenden Team gehöre. Dann kann ich Tipps geben und kritisieren.