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ÖVP will über Vorschläge der Industriellenvereinigung diskutieren.
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Wien. Mit fünf Jahren ins ganztägige Schulzentrum, das man mit 14 oder 18 wieder verlässt - je nachdem, wann man die mittlere Reifeprüfung absolviert: Das ist die Grundstruktur jenes neuen Schul- und Bildungssystems, das Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), am Dienstag vorgestellt hat. Dabei gehe es um die Revolutionierung des aktuellen Systems, um einen kompletten Neustart. Mit "Reförmchen", wie Kapsch sagte, habe das Konzept rein gar nichts zu tun. Es wäre daher falsch, von der Abschaffung der Volksschule, der Neuen Mittelschule oder des Gymnasiums zu sprechen. "Man muss Bildung und Schule völlig neu denken", so Kapsch.
Grundsätzlich unterscheidet der IV-Präsident drei Phasen, in die die Schulzeit zerfallen soll. Die Übergänge seien fließend, da man vor allem "die Brüche zwischen Elementarpädagogik und Volksschule sowie vierter und fünfter Schulstufe vermeiden muss". In der ersten Phase sollen die Kinder Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Information und Kommunikation erlernen. In der zweiten geht es darum, Allgemeinbildung und Fachkenntnisse zu erwerben. In der dritten will man diese vertiefen, zudem erfolgt eine Ausbildungs- und Berufsorientierung.
Unterrichtsministerin hält Initiative für begrüßenswert
Die Beurteilung der Kinder soll in Form einer Kombination aus Ziffern und eines transparenten Systems erfolgen. "Wir denken, dass es kein generelles Durchfallen mehr geben kann", sagt Kapsch. Vielmehr sollen Kinder in den einzelnen Fächern entweder aufsteigen oder auf einer bestimmten Stufe bleiben.
Die ÖVP reagiert auf die Vorschläge der IV zur Bildungsreform vorsichtig: "Wir werden die Vorschläge weltoffen und ideologiefrei diskutieren", sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe). "Wir nehmen jeden Vorschlag gern auf, denn wir wollen die beste Bildung für jedes Kind."
Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hält diese Initiative der IV für begrüßenswert, heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" aus dem Ministerium. Die Kinder später zu trennen entspreche den internationalen Standards. Auch Grüne, Neos und Team Stronach befürworten das Konzept. Die Grünen sehen nun die ÖVP in der Pflicht. Wenn sich diese weiter gegen die Gemeinsame Schule sträube, nehme sie wissentlich in Kauf, dass sie letztlich auch dem Wirtschaftsstandort Österreich schade.
Soweit findet der Plan der IV also Zuspruch. Allein - die Frage der Finanzierung ist noch nicht geklärt. "Eine Berechnung für die Kosten der Umstellung gibt es keine", sagt dazu IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, stellt allerdings einen Vergleich an: Österreich gebe für sein Bildungswesen mehr als 9100 Euro pro Kopf und Jahr aus. In Finnland hingegen, wo das System ähnlich dem von der IV propagierten ist, liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei 7500 Euro. Das ist zwar mehr als der OECD-Durchschnitt von 6500 Euro, aber deutlich weniger als Österreich derzeit ausgibt.
Geht es nach der IV, soll auch die Finanzierung der Schulen künftig eine ganz andere sein als heute. Jeder, der eine Schule gründen möchte, soll ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen. Wird sein Antrag genehmigt, soll er pro Schülerkopf einen einheitlichen Betrag erhalten. Kapsch: "Das Konzept sieht ein öffentlich gefördertes Schulsystem vor. Damit wollen wir verhindern, dass aufgrund des permanent schlechter werdenden Regelschulwesens eine Privatschule nach der anderen aufmacht." Die Schulagenden sollen zwar in Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache werden - jeder einzelne Schulstandort soll aber finanzielle und personelle Autonomie erhalten.
"Es bringt gar nichts, Schulzentren zu schaffen"
Ziel ist laut Kapsch ein hohes Allgemeinwissen der Schüler und sie auf die Berufswelt vorzubereiten. Außerdem will der IV-Präsident weg von der gesellschaftlich tief verankerten Tatsache, dass Bildung vererbbar ist.
Diese Ziele sind auch für Bildungsexperten Stefan Hopmann von zentraler Bedeutung - der Weg dorthin sei allerdings ein ganz anderer. "Es bringt gar nichts, neue Schulzentren zu schaffen, das kostet nur Energie. Es geht darum, Kinder gezielt zu fördern oder zu fordern. Je nachdem, was sie brauchen. Schulqualität entsteht im Klassenzimmer", sagt er zur "Wiener Zeitung". Erst dann könne man soziale Unterschiede ausgleichen und dem Problem der Vererbbarkeit von Bildung begegnen.
Fließende Übergänge zwischen einzelnen Bildungsphasen in ein und demselben Schulzentrum hält Hopmann hingegen für kontraproduktiv und sogar gefährlich. "Damit schafft man die gleichen Differenzen wie vorher. Sie werden nur schwerer sichtbar und damit schwerer anfechtbar, weil alle durch die selbe Tür gehen."
Die Elementarpädagogenplattform EduCare formuliert es drastischer. Das Schulstartjahr mit fünf Jahren sei ein Fall für die "bildungspolitische Mottenkiste". Dieses Modell widerspreche allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach junge Kinder ein ganz spezielles Umfeld brauchen.
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