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Inflation wirkt als leichter Dämpfer

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Tschechiens Wirtschaft ist im Jahr 2003 dank der Zunahme des Privatkonsums und der Bauausgaben um 2,9% gewachsen. Für heuer und für 2005 erwarten die Wirtschaftsforscher eine weitere Beschleunigung des BIP-Wachstums, auch wenn der private Konsum durch den zu erwartenden Anstieg der Inflation etwas gedämpft werden dürfte. Vom EU-Beitritt Tschechiens erwartet sich die Wirtschaftskammer in Wien (WKÖ) vor allem zusätzliche Investitionen in Verkehr und Umweltschutz, für die Mittel aus den Struktur- und Kohäsionsfonds zur Verfügung stehen.


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Experten prognostizieren eine Steigerung der Inflation (0,1% im Jahr 2003). Ursache dafür seien die Anhebung der Mehrwertsteuer und der Obergrenzen für regulierte Preise. Die Volkswirte der Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) rechnen mit einer Teuerungsrate von 2,9%, Experten des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) halten einen Anstieg auf bis zu 3,5% für möglich.

Das Leistungsbilanzdefizit wird mit rund 6% des BIP zwar relativ hoch bleiben, durch den kontinuierlich anhaltenden Zustrom an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) aber gedeckt sein, wobei die FDI den Wechselkurs der tschechischen Krone gegenüber dem Euro leicht stärken. Der Nettozufluss an ausländischen Direktinvestitionen hat sich nach vorläufigen Berechnungen der BA-CA 2003 gegenüber dem Rekordjahr 2002 halbiert, dürfte aber heuer und im kommenden Jahr wieder leicht zunehmen. Das beständige Defizit in der Leistungsbilanz sei aber nicht als Anzeichen für eine geringe Wettbewerbsfähigkeit der tschechischen Produzenten zu interpretieren, betont das WIIW.

Die Handelsbilanz konnte Tschechien 2002 trotz einer nominellen Aufwertung der Krone um 10% gegenüber dem Euro verbessern. 2003 verlor die Krone gegenüber dem Euro rund 3% an Wert, die Preise tschechischer Produkte auf den internationalen Märkten sanken daher tendenziell.

Rund zwei Drittel des Außenhandels von Tschechien werden heute mit der EU abgewickelt. Österreich war laut Außenwirtschaft Österreich (AWO) 2003 mit einem Anteil von 6,2% am Handelsvolumen der drittgrößte Exportpartner nach Deutschland und der Slowakei. Bei den tschechischen Importen belegt Österreich mit 4,3% Platz 7 nach Deutschland, Italien, China, Slowakei, Frankreich und Russland. Vergangenes Jahr gab es erstmals eine passive Handelsbilanz Österreichs im Handel mit Tschechien. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass inzwischen viele österreichische Firmen über Produktionsstätten in Tschechien verfügen und von dort Verkäufe an tschechische Kunden tätigen, die früher aus Österreich beliefert wurden.

Tschechien kämpft mit einem hohen Budgetdefizit von 4,7% (laut WIIW) bzw. 6,8% (laut BA-CA) des BIP. Durch die Finanzreform sollen in den nächsten drei Jahren 200 Mrd. Kronen (rund 6,5 Mrd. Euro) eingespart werden. Die Sozialausgaben sollen gekürzt und zahlreiche Gebühren erhöht werden.